Ingenieur-Expertise aus der Region – für die Region

Konzept der Hochschule geht auf: erster Maschinenbau-Absolvent nach Praxisphase in regionalem Unternehmen übernommen

Der erste Maschinenbau-Absolvent der Hochschule Nordhausen

Prof. Folker Flüggen, Maschinenbau-Absolvent Nico Stang, Marco Buchmann und Andreas Benkstein von der DEKRA

Erster Maschinenbau-Absolvent der Hochschule Nordhausen ist zukünftig bei der DEKRA Prüfstelle in Nordhausen tätig

Seit dem Wintersemester 2016 bietet die Hochschule Nordhausen auch den Studiengang Maschinenbau an – mit dem Ziel, technisch-interessierte junge Menschen in der Region zu halten, indem ihnen hier vor Ort ein Studium mit Verbindung zur regionalen Wirtschaft geboten wird. Nun hat der erste Maschinenbaustudent sein Studium erfolgreich beendet und ist bei der DEKRA Automobil GmbH in Nordhausen angestellt.

Nico Stang wollte gern Maschinenbau studieren, dafür aber ungern die Region verlassen. Nun ist er der erste Absolvent der Hochschule in diesem Studiengang. Als 2016 der Studiengang in Nordhausen eingeführt wurde, lag die Entscheidung für ihn auf der Hand hier in Nordhausen zu studieren. Neben dem regionalen Aspekt überzeugte ihn aber auch die Leidenschaft des Studiendekans Prof. Folker Flüggen, der schon zur Einführungsveranstaltung mit seiner langjährigen praktischen Erfahrung in Unternehmen Eindruck hinterließ: „Es ist einfach ein großer Unterschied, wenn Professoren nicht nur theoretisches Wissen, sondern auch Erfahrungen aus der Praxis weitergeben können,“ so Stang.

Der Praxisbezug und die Vielfalt der beruflichen Perspektive haben ihn von Anfang an am Studium fasziniert, daher war die DEKRA als Betrieb für das Praxissemester für ihn reizvoll. Seine Bachelorarbeit schrieb er zum Thema „Typenspezifische Genehmigung einer Austausch-abgasanlage“ – ein Thema, das durch den Abgasskandal aktuell von großem Interesse ist. Der Auftrag hierfür stammte ebenfalls aus der Region. Die Firma Zinram aus Ellrich beschäftigt sich mit der Konstruktion und dem Bau von Abgasanlagen für unterschiedliche Fahrzeugtypen und wollte eine optimierte Abgasanlage, konkret die Downpipe mit Sportkatalysatoren, auf die gesetzlichen Vorschriften hin geprüft haben. Herr Stang führte Messungen und Analysen an einem umgebauten Golf 6 GTI durch und erstellte eine Auswertung, die zur Begutachtung für eine Einzelbetriebserlaubnis nach §21 StVZO dienen soll. Beide Unternehmen sind an einer Vertiefung dieser Untersuchung durch eine weitere Optimierung der Abgasanlage interessiert, welche durch weitere Kooperationen mit der Hochschule erzielt werden könne.

Dies unterstreicht, dass das Maschinenbaustudium in Nordhausen, laut Dekan Flüggen, von allen Beteiligten begrüßt wird: „Der Praxisbezug ist für beide Seiten von Vorteil – die Studierenden lernen im Unternehmen die Praxis kennen und werden gleichzeitig schon eingearbeitet. Der Markt ist da, die Nachfrage ist da, und jetzt sind auch die Absolventen da.“

Für die DEKRA Automobil GmbH bietet die Nähe zur Hochschule eine ganz neue Chance, so Andreas Benkstein, Leiter der Außenstelle Nordhausen: „Das Bestreben eine Partnerschaft aufzubauen liegt in beiderseitigem Interesse. Die Industrie hat ja traditionell ‚ihren Fuß in der Tür‘ bei Ingenieurstudiengängen der Hochschulen. Dies war hier in der Region bisher nicht möglich.“ Nicht nur das Interesse an regionalen Arbeitskräften ist dabei ausschlaggebend, auch eine Kooperation in Form von Lehrtätigkeiten oder Praxisbausteinen an der Hochschule sei denkbar.

Die DEKRA-Außenstelle Nordhausen ist auch aus einem anderen Anlass besonders stolz darauf, den ersten Maschinenbau-Absolventen zu übernehmen. Sie verbindet eine persönliche Geschichte mit dem Standort der Hochschule: Nach der Schließung der IFA-Werke sind einige IFAraner zur DEKRA gekommen, die zu DDR-Zeiten ihren Abschluss traditionell an der Ingenieurschule für Landtechnik erworben haben, auf deren Standort sich heute die Hochschule befindet. So arbeiten nun tatsächlich einer der letzten Absolventen der Ingenieurschule und der erste Absolvent der „neuen Generation“ bei der DEKRA zusammen.

Die Geschichte der Nordhäuser Maschinenbauer kann somit also fortgesetzt werden. Und auch für den zweiten Absolventen, Prabin Bharati aus Nepal, hat sich aus dem Praxissemester eine Anstellung entwickelt: nachdem er sein Praxissemester bei der Schachtbau Nordhausen GmbH absolvierte und auch seine Bachelorarbeit dort schrieb, wird er ab Mai in der Fertigungsplanung des Unternehmens tätig sein.

„Wir freuen uns sehr, dass auch die weiteren Studierenden des ersten Maschinenbau-Studiengangs der Hochschule Nordhausen guten Chancen entgegensehen, nach erfolgreicher Bachelorarbeit von ihren Praxisbetrieben hier in der Region übernommen zu werden. Der lokale Gedanke geht somit auf,“ resümiert Professor Flüggen.