Ein Doktorhut mehr an der FH Nordhausen

Nordhausen (FHPN) Am 29.04.2004 war es geschafft. Mit der erfolgreichen Verteidigung ihrer Doktorarbeit vor den gestrengen Augen der Prüfungskommission der Technischen Universität Bergakademie Freiberg hat Frau Parnieske-Pasterkamp die letzte Hürde genommen und kann nun mit der Veröffentlichung ihrer Arbeit den Titel Dr. rer. nat. tragen. Da die Fachhochschulen in Deutschland kein Promotionsrecht besitzen, wurde die Promotion der gebürtigen Saarländerin, die seit nunmehr fast 10 Jahren im Harz beheimatet ist, an der TU Freiberg unter der Leitung von Prof. Dr. Jörg Matschullat in Kooperation mit der Kali-Umwelttechnik Sondershausen GmbH durchgeführt, inhaltlich aber in Nordhausen wesentlich mit betreut.

Foto: Frau Parnieske-Pasterkamp erläutert Studierenden den Aufbau einer Halde

Frau Parnieske-Pasterkamp (li.) erläutert Studierenden den Aufbau einer Halde

In den Südharz hat die junge Wissenschaftlerin die Arbeit hingezogen. Nach ihrem Geografiestudium an der Universität des Saarlandes war sie seit 1996 in der K-UTEC GmbH in der Abteilung Abfall/Altlasten beschäftigt. Hier wurde sie durch ihre Arbeiten auf das Thema Haldenproblematik aufmerksam und hat sich seit 1999 mit Feldarbeiten und Datenauswertung intensiv mit den Haldenkörpern und ihren Emissionen auseinandergesetzt. Durch die Förderung des Thüringer Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kunst als Nachwuchs-wissenschaftlerin und ihre parallele Tätigkeit als Dozentin der FH Nordhausen konnte sie die Arbeit rasch vorantreiben und nach knapp vier Jahren abschließen.

Die Promotionsarbeit von Frau Parnieske-Pasterkamp trägt den Titel "Zur Geoökologie und Geochemie von Rückstandshalden der Kaliindustrie in Nordthüringen". Darin untersucht die Wissenschaftlerin die Umweltauswirkungen und die Alterung der Salzhalden im ehemaligen Kalirevier im Südharz. Insbesondere die Halden in Bischofferode und Menteroda, der ehemalige Schacht Volkeroda, dienten ihr als Forschungsobjekt, um zu erkennen, inwiefern die Halden auf veränderte Einflüsse, wie Versickerung von Niederschlägen und Überdeckung mit Bodenmaterialien, reagieren.

Für die Umwelt im Südharz stellen die Halden eine große Belastung dar, denn jährlich, so konnte die Untersuchung zeigen, werden rund 350.000 Tonnen Salz aus den sechs Großhalden in der Region in die Umwelt ausgetragen und belasten Gewässer und Grundwasser.

Die nun z. T. bereits praktizierte Überdeckung der Halden, die teilweise eine Höhe von 100 Metern erreichen, soll diesen Eintrag deutlich vermindern. Die biologische Versiegelung soll erreichen, dass einsickernde Niederschläge reduziert und die aufgehaldeten Salze nicht so schnell gelöst werden, um die Nutzbarkeit der Grund- und Oberflächengewässer langfristig in der Region zu sichern. Dies ist das vorrangige Ziel, denn die ausgetragene Salzlösung mit einem Anteil von 80 % Kochsalz ist an sich ungefährlich, allein die Menge ist das entscheidende Problem.

Die Wissenschafterin konnte durch ihre Arbeiten nachweisen, dass die Oberflächenversiegelung der Halden ähnlich der Abdichtung eines Deponiekörpers mit anschließender Rekultivierung den Salzaustrag deutlich reduzieren kann. Werden derzeit durch die Überdeckung bereits 20 % des Salzaustrages zurückgehalten, so konnte sie aufzeigen, dass nach einer mittelfristig geplanten vollständigen Rekultivierung der Salzaustrag auf die Hälfte der Ursprungswerte verringert werden kann.

Eine wichtige Maßnahme, denn die in wenigen Jahrzehnten aufgeschütteten Halden werden uns noch lange begleiten und die Umwelt belasten. Den Berechnungen von Frau Parnieske-Pasterkamp nach werden die Halden in Abhängigkeit ihrer Grundflächen ohne Abdeckung und Rekultivierung rund 1000 Jahre für ihre Auflösung benötigen. Mit Rekultivierung würde der Zeitraum auf mehr als 2000 Jahre gestreckt.

Pressemitteilung 25/2004