Elektronikschrottverwertung in Thüringen - Nordhäuser Studenten entwickeln Lösungen

Nordhausen (FHPN) Der Countdown läuft: Nicht nur bei der Behandlung des täglichen Abfalls, sondern auch bei Elektronikschrott ist das Jahr 2004 ein zentraler Wendepunkt. Am 13. Februar 2003 trat mit Veröffentlichung im EU-Amtsblatt die Basis-Richtlinie über Elektro- und Elektronik-Altgeräte (2002/96/EG) und die Richtlinie über gefährliche Stoffe in Elektro- und Elektronik-Geräten (2002/95/EG) in Kraft. Diese müssen beide national bis zum 13. August 2004 in allen Mitgliedsstaaten umgesetzt sein. Diese Direktive verpflichtet die Hersteller, ab 2005 alte Elektronikgeräte kostenfrei zurückzunehmen, zu recyclen und umweltfreundlich zu beseitigen. Damit ergeben sich gravierende Veränderungen im Markt für Elektronikschrottverwertung, die Thüringen in besonderer Weise treffen.

Foto: Elektronikschrott

Die Auswirkungen der neuen Direktive sind klar, wie Prof. Lemser, Professor an der Fachhochschule Nordhausen, ausführt: "Zum einen wird dieser spezifische Verwertungsmarkt deutlich wachsen, zum anderen werden geschlossene Rückführungssysteme entstehen - ein "freier" Verwertungsmarkt wird nur noch in Randbereichen existieren und dies ist das eigentliche Problem für Thüringen." Der Professor an der FH Nordhausen, der sich aus betriebswirtschaftlicher Sicht u.a. mit Fragen der industriellen Kreislaufwirtschaft beschäftigt, sieht für Thüringen sehr gravierende Auswirkungen der Richtlinie; denn in den neunziger Jahren sind in Thüringen eine ganze Reihe mittlerer und kleinerer Verwertungsbetriebe u. a. für Elektronikschrott entstanden. Diese Unternehmen haben sich in einem schwierigen Marktumfeld für die Verwertung von Alt-Elektrogeräten etabliert und dies, ohne wesentliche staatliche Unterstützung zu erhalten. Für diese Betriebe könnte nun die an sich paradoxe Situation entstehen, dass zwar der Markt wächst, sie aber vor allem aufgrund ihrer Betriebsgröße und den von ihnen derzeit praktizierten Verwertungsstrategien nicht nur nicht von diesem Wachstum profitieren, sondern vom Markt verdrängt werden. Die Integration der angesprochenen Unternehmen in die neu entstehenden Rückführungsstrukturen ist für diese also überlebenswichtig.

Eine Gruppe Nordhäuser Studenten der Betriebswirtschaft unter der Projektleitung von Prof. Dr. Lemser haben sich zur Aufgabe gemacht, in Kooperation mit dem Wirtschaftsministerium des Freistaates Vorschläge zur Lösung dieser Problemstellung zu entwickeln. Dabei wird es vor allem darum gehen, nach Möglichkeiten für einen Marktzugang zu suchen, selbstorganisatorische Lösungen für die Zusammenarbeit dieser Unternehmen zu entwickeln und wirtschaftspolitische Handlungsempfehlungen für den Freistaat zu erarbeiten. Bei der Erarbeitung der Lösungsvorschläge arbeitet das Team neben dem Wirtschaftsministerium mit klein- und mittelständischen Verwertungsunternehmen, Verbänden und Kommunen zusammen.

Pressemitteilung 38/2004