Expertentreffen in Prag zur Revitalisierung von Industrie- und Gewerbe- und Wohnbrachen

Nordhausen (FHPN) Das Problem der Industriebrachen und Wohnbrachen war in der letzten Woche Thema einer Tagung in Prag, zu der sich mehr als 40 Verwaltungsfachleute aus 13 europäischen Ländern trafen. Die Gruppe, zu der auch der Rektor der FH Nordhausen, Prof. Dr. Christian C. Juckenack, gehört, ist Teil des von der EU geförderten Experten Netzwerk CABERNET (Concerted Action on Brownfield and Economic Regeneration Network), dass zu diesen Problemen Lösungsansätze für europäische Städte entwickeln soll.

Die Fachhochschule Nordhausen, vertreten durch den Rektor, ist neben anderen Akteuren, wie der Stadt Köln und dem Umweltbundesamt, Mitglied in diesem europäischen Netzwerk. Zudem leitet Prof. Christian C. Juckenack die Untergruppe "Finanzielle ökonomische Aspekte der Brachflächenrevitalisierung". Das Netzwerk wird gemeinschaftlich von der britischen Universität von Nottingham und dem Umweltbundesamt koordiniert.

In Zeiten von Industriewandel und wirtschaftlicher Stagnation schließen immer mehr Betriebe ihre Pforten und überlassen die Flächen sich selbst. Diese Entwicklung ist nicht nur in den meisten Staaten der EU sondern insbesondere in den Beitrittsländern zur Europäischen Union zu beobachten. Hier sind fortschrittliche Ansätze von Politik und Verwaltung gefragt, um Lösungen zu finden, damit solche Flächen wieder nachhaltig genutzt werden können. Trotz gewaltiger Anstrengungen in den vergangenen Jahrzehnten bereiten diese Flächen den Kommunen immer noch erhebliche Probleme. Die Aufwendungen für die Eingliederung in das städtische Umfeld und die Anwerbung von Investoren zur Nachnutzung sind immens. Der Abriss alter Gebäude, die Aufbereitung der Flächen und die Sanierung vorhandener Infrastruktur ist nicht nur den Behörden, sondern auch vielen Investoren zu teuer. Diese gehen lieber auf die Grüne Wiese für neue Ansiedlungen da dort ideale Bedingungen herrschen. Die Folgen sind für jedermann erkennbar. Die Zersiedelung der Landschaft stört nicht nur das Landschaftsbild sondern auch die Umwelt, während die Gebiete um die Brachen herum gleichzeitig sozial und wirtschaftlich verkommen.

Durch die von CABERNET angestrebten Ergebnisse soll es den Städten ermöglicht werden, Flächenrecycling in sozial, wirtschaftlich und ökologisch nachhaltiger Weise voranzutreiben. Zielsetzung des Prager Treffens war es, festzustellen, welche Möglichkeiten die Verwaltung hat, hier die Revitalisierung entsprechend zu beschleunigen. Im Blickpunkt standen nicht nur die Kommunalverwaltungen, sondern auch Europäische Regelungen, Landesregelungen und konkrete Belange für die Praktiker, die Flächenrecycling in Projekten durchführen.

Das Land Thüringen hat in seinem aktuellen Entwurf zum Landesentwicklungsplan 2003 der hier genannten Thematik in beispielhafter Weise Rechnung getragen. Die Minimierung des Flächenverbrauches, die Wiedernutzung von Brachflächen und insgesamt die Forderung nach einem integrierten und intelligenten Flächenmanagement wird an mehreren Stellen im Landesentwicklungsplan und u. a. in einem separaten Kapitel berücksichtigt und dargestellt. Der beispielhafte Entwurf wurde in englischer Übersetzung als Auszug im EU-Projekt zur Kenntnis gebracht.

Am Ende des Treffens wurden eine Reihe von Maßnahmen genannt, die helfen könnten. Sie erstrecken sich über alle Verwaltungsbereiche einschließlich der übergreifenden Europäischen Regelungsebene. Insbesondere wurde festgestellt, dass das Thema Brachflächen in den bestehenden Regelungen stärker betont, gezielter integriert und spezifischer geregelt werden sollte. Gerade die momentane Einbindung in die Regelungsbereiche Planung und Umwelt ist noch nicht in einem Maße zufriedenstellend, um dieses Problem wirklich im Sinne einer nachhaltigen Entwicklung anzugehen.

Die Expertengruppe hat deshalb beschlossen, dass die Analyse der augenblicklichen Praxis in der EU den Schwerpunkt ihrer zukünftigen Arbeit darstellen wird. Auf dieser Grundlage sollen weitere spezifische Maßnahmen und Initiativen vorgeschlagen werden. Die Verwaltungsexperten werden bis Anfang Dezember 2003 eine Reihe von Positionspapieren zu Planung, Recht und Deregulierung sowie finanztechnischen Aspekten erarbeiten, die dann im Rahmen des zweiten Treffen des Netzwerkes in Erfurt erörtert werden.

Die wesentlichen Punkte hierzu werden sein:

* Strategisches Flächenmanagement auf kommunaler und regionaler Ebene,

* Zielfestlegungen und Vorschläge für Verminderungsraten von Brachflächen

* Deregulierungsbedarf zur Beschleunigung von Genehmigungsverfahren

* Handlungsbedarf auf europäischer Ebene, Modifikation bestehender Politikfelder

* Instrumente zur effizienteren Durchführung von Brachflächenrecycling in der Praxis

Nähere Informationen erhält man auch im Internet unter www.cabernet.org.uk.

Pressemitteilung 40/2003