Rohstoff- statt Abfallpolitik

Spitzenforschung bei Energie- und Stoffrecycling – Technische Uni Wien und FH Nordhausen kooperieren

Analyseverfahren mittels Pressbohrmethode

Wissenschaftler aus ganz Deutschland und Österreich tauschen sich vom 21.-22. Oktober 2010 anlässlich des „3. Nordhäuser Sekundärrohstoff-Workshop“ über den aktuellen Forschungsstand auf dem Gebiet des Energie- und Stoffrecyclings aus. Organisiert wird die Tagung vom Studiengang Umwelt- und Recyclingtechnik der Fachhochschule Nordhausen unter Leitung der Professorin Dr.-Ing. Sylvia Schade-Dannewitz und ihrem Forschungsteam mit Dr. Jürgen Poerschke sowie dem Doktoranden Dipl.-Ing. Sebastian Döring.

Höhepunkt der diesjährigen Tagung wird die feierliche Vertragsunterzeichnung über die Forschungszusammenarbeit der Fachhochschule Nordhausen und der Technischen Universität Wien sein. Beide Hochschulen arbeiten bereits eng auf dem Gebiet des Energie- und Stoffrecyclings zusammen. Den Begriff „Abfall“ vermeiden die Forscher im Übrigen sehr streng, denn dieses Wort bezeichnet Dinge, die niemand mehr braucht. Wissenschaftler auf dem Gebiet des Energie- und Stoffrecyclings erarbeiten hingegen zunehmend bessere Verfahren zur Gewinnung von Energie und sogenannten Sekundärrohstoffen aus dem bisherigen „Abfall“.

Bis zu 50 Fachleute dieser Forschungsgebiete werden in Nordhausen erwartet. In den Themenblöcken Rohstoff- und Energiegewinnung werden die Wissenschaftler sich in insgesamt 14 Referaten über neueste Entwicklungen informieren und sich in anschließenden Diskussionen über den aktuellen Forschungsstand austauschen können.

Im Zentrum des Interesses steht ein Paradigmenwechsel in der Abfallpolitik. Der nachhaltige Umgang mit knappen natürlichen Ressourcen stellt eine der wesentlichen Aufgaben der Zukunft dar. Daher muss Abfallpolitik zukünftig als Rohstoffpolitik verstanden werden. Angesichts immer knapper werdender Rohstoffvorkommen kommt der Sekundärrohstoffgewinnung aus Abfall eine immer größere Bedeutung zu. Steigende Rohstoffpreise machen Abfallrecycling dabei zu einem profitablen Wirtschaftsfaktor, bei dem Deutschland eine weltweite Vorreiterrolle erreichen könnte. Dabei gibt die Europäische Union ihren Mitgliedsstaaten in der neuen EU-Abfallrahmenrichtlinie bereits vor, dass Wiederverwertung vor Entsorgung geht.

Hierbei kommt den Analysemethoden bei der Zusammensetzung des bisherigen „Abfalls“ eine besondere Bedeutung zu. Auf diesem Gebiet hat sich das Nordhäuser Forscherteam um Professorin Schade-Dannewitz einen Namen gemacht. Sie entwickelten ein Analyseverfahre, das präzise Angaben über die Bestandteile von Stoffgemischen in Sekundärrohstoff-Proben liefert. Dabei wird mithilfe einer Presse und eines kleinen Zylinders das leichte Material extrem verdichtet. Die Bestandteile des dabei entstehenden Festkörpers sind nun so messbar, dass die Werte kaum noch Abweichungen aufweisen.

Gemeinsam mit dem Projektpartner Maschinen- und Anlagenbau Mönnich GmbH wurden bereits Prototypen der als Pressbohrmethode bekannt gewordenen Anlage entwickelt.

Zum Abschluss des zweitägigen Workshops wird durch das Team der Umwelt- und Recyclingtechnik eine Führung durch das Technikum und die Labore der Fachhochschule Nordhausen angeboten.

Kontaktadresse: Dr. Jürgen Poerschke, 03631 420 402 oder Poerschke@fh-nordhausen.de

Nr. 027/2010 vom 21.10.2010