PM 29/05: 8. Mai 1945 - Jahrestag der Befreiung vom Faschismu

Nordhausen (FHPN) Am 10. Mai 2005 um 18:00 Uhr im Hörsaal 3, Haus 25, wird sich Prof. Dr.-Ing. Viktor Wesselak in einem Vortrag im Rahmen der Impulse-Reihe mit dem 60. Jahrestag der Befreiung vom Faschismus beschäftigen. Die Veranstaltung soll insbesondere dazu dienen, den Studierenden der FH Nordhausen begreiflich zu machen, warum dies ein Tag der Befreiung und nicht ein Tag der Kapitulation war.

Ob Deutschland am 8. Mai 1945 tatsächlich befreit worden ist oder es sich vielmehr um eine Niederlage und den totalen Zusammenbruch deutscher Ideen und Ziele gehandelt hatte, diese Frage wurde insbesondere im bundesrepublikanischen Deutschland aber noch lange Jahre bei den wiederkehrenden Gedenktagen des 8. Mai 1945 nicht eindeutig beantwortet.

Der Streit über die Frage von Niederlage oder Befreiung verebbte erst nach der denkwürdigen Rede des früheren Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker im Jahre 1985. "Der 8. Mai war ein Tag der Befreiung", sagte der Bundespräsident. "Er hat uns alle befreit von dem menschenverachtenden System der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft." Diese Sicht der Vergangenheit ist nun 60 Jahre nach Kriegsende weitestgehend politischer Grundkonsens.

Der Zweite Weltkrieg und dessen Ausgang werden heute in Deutschland auch nicht mehr in erster Linie als Katastrophe für das eigene Land gesehen, wie es noch in der Nachkriegszeit der Fall war. Trotz eigener Opfer, Vertreibung und moralischer Diskreditierung sei die eigentliche Katastrophe die Shoah gewesen, das Verbrechen, das am Volk der Juden begangen wurde. "Der Völkermord an den Juden", das betonte auch Weizsäcker in seiner Rede, "ist beispiellos in der Geschichte." Sechs Millionen Juden fielen dem deutschen Vernichtungswillen zum Opfer.

Diese im politischen Konsens geteilte Meinung steht aber im deutlichen Widerspruch zu vielen Dokumentationen zum Kriegsende nach 60 Jahren. Die Kriegsdokumentationen von Guido Knopp im ZDF haben dieses Kapitel der deutschen Geschichte einem großen Teil der Gesellschaft nahe gebracht, was verdienstvoll ist. Jedoch sind diese Filme kommerzialisiert und nicht unhistorisch, in ihrer Auswahl nach verfügbarem Bildmaterial und Zeitzeugen aber nur zum Teil der historischen Wahrheit verpflichtet. Es läuft derzeit eine "Knoppisierung" der deutschen Geschichte, die aufgrund ihres Rückgriffs auf Zeitzeugen gerade auch dazu beiträgt, dass die Deutschen sich wieder als Opfervolk fühlen und gerade dadurch die eigentliche Bedeutung des historischen Ereignisses, der Befreiung vom Faschismus, die eben nicht aus eigener Kraft gelang, zunehmend in den Hintergrund gedrängt wird.

Diese Veranstaltung wird im Rahmen der Impulse-Reihe in Zusammenarbeit mit der Stadt Nordhausen und dem Wissenschaftlichen Verein - Förderverein der FH Nordhausen durchgeführt. Der Eintritt ist wie immer frei und im Anschluss an die Veranstaltung kann bei einem Imbiss mit den Referenten das Thema durch Fragen vertieft werden.