Forschung

Forschungsprojekte 2018

Resilienz durch BürgerInnenbeteiligung im ländlichen Raum am Beispiel des Donnersbergkreises (Rheinland-Pfalz)

Mit dem vorliegenden Projekt ist geplant, die Resilienz in einer ausgewählten Kommune (Donnersbergkreis) zu stärken und die Gesundheitskompetenz in diesem ländlichen Raum unter Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger zu fördern. Diese sollen eingeladen werden, in öffentlichen Foren darüber nachzudenken, welche resilienten und gesundheitsförderliche Strukturen in der Region auszumachen sind.

Schwerpunkt des Projekts sind die folgenden Forschungsfragen:

  1. Was kennzeichnet existierende Konzepte zur Stärkung der Resilienz und Förderung der Gesundheitskompetenz im ländlichen Raum insbesondere im Hinblick auf Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger?
  2. Welche lebensqualitäts-/gesundheitsbezogenen Themen bewegen die Menschen im Donnersbergkreis? Welche räumlichen, ökologischen, ökonomischen und soziokulturellen Eigenschaften beeinflussen die Resilienzfaktoren der Bürgerinnen und Bürger in der Region? (Sozialraumanalyse)
  3. Welche zentralen Aspekte sollten - auf dem Boden dieser Analyse - das Konzept eines neuen sozialraumorientierten und bürgerbeteiligten, resilienzfundierten Gesundheitsangebotes im Donnersbergkreis prägen?
  4. Wie effektiv und effizient ist solch ein neuer Ansatz im Donnersbergkreis?

Die Studie wird im Mixed-Method-Design durchgeführt, welches sowohl quantitative als auch qualitative Elemente aufnimmt. Nach einer ausführlichen Literaturanalyse und Recherche statistischer Daten erfolgte zunächst eine theoriegeleitete Analyse des Sozialraums. Im Anschluss daran fanden konkrete Sozialraumbegehungen unter Anwendung sozialräumlicher Methoden sowie Spontaninterviews statt, mit dem Ziel weitere quantitative und qualitative Daten zu erfassen. Des Weiteren erfolgte eine Ist-Stands-Analyse unter Einbezug aller regionalen Einrichtungen. Über Bürgerforen, die zu vier unterschiedlichen Zeitpunkten durchgeführt wurden, konnten mit der Methode der Aktivierenden Befragung ebenfalls qualitative Daten gebündelt werden. Die erhobenen Daten wurden im Rahmen mehrerer Projekttreffen im Donnersbergkreis und an der HS Nordhausen im Team ausgewertet. Derzeit befindet sich der Projektabschlussbericht in Arbeit, dem eine ausführliche Darstellung der Ergebnisse zu entnehmen sein wird.

Link zum Forschungsbericht

Kindness for Kids Versorgungspreis

Ziel des Projektes ist neben der Implementierung einer Sprechstunde „Sozialberatung/Case Management“ in der Stoffwechselsprechstunde der Universitätskinderklinik Bochum eine Begleitforschung (als mixed-methods-study), die den Gesundheitszustand von Kindern und Jugendlichen mit Stoffwechselerkrankungen aus Sicht der Betroffenen und deren Familien in den Fokus nimmt.

Orientiert am bio-psycho-soziale Modell der ICF werden Patienten und deren Familien zum Thema Gesundheitszustand und Therapiezielen interviewt. Die transkribierten Interviews werden mit dem Kategorien- und Codesytem der ICF erfasst und anschließend mittels deskriptiver Statistik ausgewertet. Damit kann aufgezeigt werden, in welchen Lebensbereichen die Betroffenen und ihre Familien Einschränkungen erleben und welche Kontextfaktoren ihren Gesundheitszustand fördern (Förderfaktoren) bzw. negativ beeinflussen (Barrieren).

Zusätzlich zu dieser qualitativen Methode erfolgt eine Befragung der Eltern und -soweit möglich- der Patienten mit einem standardisierten Fragebogen, um die Häufigkeit von psychischen Auffälligkeiten bei den Patienten zu eruieren. Die hier erfassten Ergebnisse werden mit den Auswertungen aus der KiGGS/BELLA Studie (als repräsentative deutsche Kontrollgruppe) verglichen (15). Eine aktuelle und systematische Untersuchung von psychischen Auffälligkeiten von Kindern und Jugendlichen mit Stoffwechselerkrankungen gibt es in Deutschland bislang nicht. Die Relevanz für die Patienten besteht in einer verbesserten Versorgung (Beratung/Case Management) sowie einer stärkeren Partizipation im Behandlungsprozess.

Die Sprechstunde „Sozialberatung/Case Management“ soll auch nach Projektende, orientiert an den Erfahrungen im Projektzeitraum, weitergeführt werden. Diese psychosoziale Beratung und das Case Management werden bereits jetzt in der Klinik kontinuierlich weiterentwickelt und den Bedürfnissen der Patienten sowie deren Familien fortlaufend angepasst. Durch die Präsentation und Publikation der Ergebnisse aus dem Forschungsprojekt sowie eine Fortsetzung der Forschungsaktivitäten auf diesem Gebiet ist die Nachhaltigkeit der Projektinhalte gesichert.

Das Projekt wird durch die Kooperation der Universitätskinderklinik Bochum mit der Hochschule Nordhausen mit Unterstützung der Deutschen Interessengemeinschaft Phenylketonurie sowie der Gesellschaft für Mucopolysaccharidosen durchgeführt. National und international werden die Erfahrungen und Ergebnisse auf verschiedenen Arbeitstreffen und Kongressen präsentiert sowie in schriftlicher Form durch Publikationen bekannt gemacht.

Entwicklung und psychosometrische Prüfung eines Instruments zur Messung sozialer Partizipation bei Jugendlichen

Ziel dieses Projektes ist es ein Partizipationsmessinstrument für Jugendliche zwischen 12 und 17 Jahren zu entwickeln, zu testen, zu pilotieren und eine psychometrische Prüfung zu beginnen.

Im Rahmen einer sequenziellen Mixed-Methods-Studie werden Jugendliche mit und ohne körperliche Beeinträchtigungen mittels semi-strukturierter Interviews zu ihren Erfahrungen und ihrer Zufriedenheit mit sozialer Teilhabe sowie der individuellen Bedeutung von Selbstbestimmung befragt. Die Perspektive der Jugendlichen wird ergänzt durch Fokusgruppen, einerseits mit Experten aus der sozialpädiatrischen Versorgung und andererseits mit Eltern. Durch diese unterschiedlichen Perspektiven entsteht ein größtmöglicher Erkenntnisgewinn zur Entwicklung des Instruments, bei dem auch die aktuelle internationale Befundlage integriert wird. Aufbauend auf den Ergebnis-sen des ersten Schrittes wird dann ein Messinstrument zielgruppennah entwickelt, inhaltlich von der Zielgruppe der Jugendlichen sowie den anwendenden Fachexperten evaluiert, dem folgend in einer Pilotstudie in exemplarischen sozialpädiatrischen Zentren und Rehabilitationskliniken implementiert und psychometrisch geprüft.

Mit dieser Studie werden aussagekräftige Erkenntnisse über soziale Partizipation bei Jugendlichen bereitgestellt, die es ermöglichen, das theoretische Konstrukt sozialer Partizipation und seine Bedeutung für das Leben der Jugendlichen sowie der Förderzielplanung in rehabilitativen Prozessen zu beschreiben und die vom Gesetzgeber vorgesehene Kernzielgröße der Partizipation in einzelnen Maßnahmen zu evaluieren. Das entwickelte Instrument kann in der Wissenschaft eingesetzt werden, um benachteiligte Gruppen zu identifizieren und mit zielgerichteten Interventionen die Nachteile, die die Entwicklung beeinträchtigen könnten, auszugleichen. In der Praxis kann das Instrument eingesetzt werden, um die Ziele der Rehabilitation gemeinsam mit dem Jugendlichen und der von ihm zugemessenen Bedeutsamkeit zu ermitteln und die Zielerreichung zu evaluieren.

Optimierung der Selbstevaluation der Berliner Pflegestützpunkte

Im Rahmen des Projektes werden die jährlichen Leistungsberichte der Berliner Pflegestützpunkte auf Verbesserungspotentiale hin analysiert. Die aus 2018 vorliegenden Leistungs- und Klienteldaten werden statistisch ausgewertet und Vorschläge zur Anpassung der Datenerfassungsmaske an eine veränderte Aufgabensituation sowie zur longitudinal Darstellung gemacht.

Beschwerdevalidierung in der psychosomatischen Rehabiliation

Bei der sozialmedizinischen Beschwerdevalidierung spielen die Aggravation bzw. im geringeren Maße auch die Simulation eine bedeutende Rolle, da nach vorliegenden Schätzungen ein erheblicher Teil der patientenseitigen Beschreibungen von Symptomen als nicht valide beurteilt werden muss (Kobelt et.al.2012). Für die gutachterliche Beschwerdevalidierung liegen für psychosomatische Beschwerdebilder anerkannte Leitfäden vor (Schmitt 2012). Jedoch fehlen bislang operationalisierte validierte Vorgehensweisen, die bei Verdacht auf invalide Symptomschilderung im Rahmen einer mehrstufigen Diagnostik sowohl die klinische Beurteilung als auch testpsychologische Assessments zweckmäßig miteinander verbinden.

In dem Forschungsprojekt soll eine mehrstufige klinische sowie testpsychologische Diagnostik entwickelt werden, die bereits auf der ersten Stufe eines ausschließlich psychometrischen Screeningverfahrens Fälle von invalider Beschwerdeschilderung mit möglichst hoher Sensitivität und Spezifität zu detektieren vermag. In Ergänzung zu dem Screeningverfahren soll über eine erweiterte klinische sowie testpsychologische Diagnostik eine möglichst hohe Trefferquote von richtig positiven Fällen erreicht werden, um dadurch eine optimierte Spezifität der sozialmedizinischen Diagnostik zu gewährleisten.