Forschung

Forschungsprojekte 2016 / 2017

ICF-fundiertes Entlassungsmanagement von Menschen mit Abhängigkeitserkrankungen und psychischer Komorbidität

Suchtmittelabhängige Menschen fallen wegen ihrer komplexen Problemlagen und der daraus meist resultierenden Schwierigkeit einer adäquaten, v.a. lückenlosen Weiterbehandlungsplanung im stationären Kontext der Psychiatrie erheblich ins Gewicht. Ihre oftmals prekären Lebenslagen erfordern eine frühzeitige interdiszipli-näre Kooperation und Koordination. Das Projekt ist als Masterarbeit in eine größere Studie des Fachbereichs Allgemeinpsychiatrie der Rheinhessen Fachklinik Alzey eingebettet. Es zielt auf eine Analyse der internen Schnittstellen von Aufnahme bis Entlassung und damit verbunden die Professionalisierung des Entlassmanagements von PatientInnen mit Suchtmittelabhängigkeit ab. Mithilfe eines auf Basis der ICF entworfenen Diagnoseinstrumentariums soll die besonders problem-, d.h. nachsor-geintensive Klientel eruiert werden, um sie direkt einem Entlassmanagement zufüh-ren zu können, das im Rahmen dieses Projektes standardisiert werden soll. Die so-dann in einem Konzept verschriftlichten Ergebnisse dieser Prozesse sollen zuletzt an ca. 8-10 PatientInnen getestet, dokumentiert und abschließend bewertet werden.

Multicenterstudie - Qualifizierter Entzug in der Inneren Medzin

Im Rahmen der Kooperation mit dem Diakonie-Krankenhaus Elbingerode besteht Kontakt zum „Arbeitskreis qualifizierter Entzug in der Inneren Medizin“ (AKQEIM). In Zusammenarbeit mit diesem Arbeitskreis wird an 10-15 deutschen Kliniken eine prospektive Studie (Fragebogen zum qualifizierten Entzug) durchgeführt.

Die Studie ist explorativ und quantitativ angelegt. Um ein möglichst umfassendes Bild zu gewinnen, sollen in einem a priori festgelegten Zeitraum sieben deutsche internistische Kliniken für jeden ihrer Patienten im Qualifizierten Entzug (QE) einen standardisierten Fragebogen vervollständigen, der zuvor im AKQEIM des BDI abgestimmt worden ist. Auf diese Weise soll erstmalig ein Überblick über die Patientenpopulation entstehen: Wie viele Personen werden im Qualifizierten Entzug in der Inneren Medizin behandelt und was sind deren Charakteristika.  Zudem liegt das Augenmerk auf den therapeutischen Maßnahmen und deren Erfolg (insbes. Krankheitsakzeptanz, Therapieerfolgsbewertung, Einleitung weiterführender Maßnahmen).

Die Untersuchung unterteilt sich in mehrere Schritte:

  • Erstellung und Verabschiedung eines einheitlichen Erhebungsbogens für alle teilnehmenden Kliniken
  • Erstellung einer zugehörigen Excel-Datei zur Eingabe und Sammlung der Daten
  • Erhebung und verschlüsselte Übermittlung der Daten in drei Tranchen
  • Zusammenführen, Auswerten und Interpretieren der Daten

Dortmunder Kinderstuben - wissenschaftliche Begleitung

Seit Anfang 2016 ist das ISRV an der wissenschaftlichen Begleitung und konzeptionellen Weiterentwicklung der FABIDO Kinderstube in Dortmund-Eving beteiligt. Im November/Dezember 2015 wurde die Kinderstube eröffnet und 9 Kinder aus der Märchensiedlung und eng angrenzenden Quartieren aufgenommen. Von den 9 Kindern werden 8 Kinder und deren Eltern im Rahmen der Jugendhilfe gem. § 27 ff SGB VIII betreut. Ein Großteil der dort aufgenommenen Kinder erhalten verschiedene Unterstützungsleistungen, zum Beispiel SPFH und/oder Frühförderung als Komplexleistung. Ziel des Projekts ist es, Erkenntnisse zu erlangen, ob die präventive und niederschwellige Arbeit in den Kinderstuben eine Unterstützung und Entlastung im Rahmen der HzE sowie eine sozialpädagogische und fiskalische Wirkung erzielen kann.

Schwerpunkt des Projekts ist es, zu analysieren, inwieweit z.B. Prozesse der Jugendhilfe im Rahmen von Hilfen zur Erziehung in die Arbeit der Kinderstuben implementiert werden können. Insgesamt stehen somit bei der konzeptionellen Weiterentwicklung verschiedene Aspekte im Mittelpunkt:

  • Welche Unterstützungsleistungen für Familien können in Kooperation mit der Kinderstube durchgeführt werden?
  • Wie kann die Idee einer (teilweisen) Bündelung von Unterstützungsleistungen (rechtlich) umgesetzt werden, die die Kinder erhalten (z.B. SPFH, Erziehungsberatung, Frühförderleistungen)?

Zu untersuchende Fragestellungen sind:

  • Welche Vereinbarungen müssen seitens der sozialpädagogischen Koordination und der Jugendhilfe getroffen werden?
  • Was können Tagespflegepersonen leisten? was noch nicht? (Analyse auf konzeptioneller Ebene, ggf. Interview)
  • Wo sind Schnittmengen zwischen der niedrigschwelligen Arbeit der TPP und SPFHs? Welche Tätigkeiten bedeuten für die TPP einen Mehraufwand? (d.h. welche Tätigkeiten (nah an der Familie) werden sowieso erbracht?) (Analyse einer Dokumentation der Tätigkeiten der TPP, Falldokumentation und –analyse von zwei ausgewählten Familien)

Übergreifend soll den Fragen nachgegangen werden, wie eine Überfrachtung / Überforderung der Tagespflegepersonen in diesem Zusammenhang vermieden werden kann, welche fachlichen Unterstützungsangebote benötigt werden und wie hoch der personelle Aufwand des Trägers bezüglich der fachlichen Unterstützung der Tagespflegepersonen wäre. Zusätzliche wird der Frage nachgegangen, auf welche Akzeptanz eine solche Unterstützungsleistung bei den Familien trifft und wie die Unterstützung durch die Eltern angenommen und wahrgenommen wird.

Die wissenschaftliche Begleitung des Projekts läuft bis Ende 2017.
 

Entwicklungsspsychologische Beratung

Für das Thüringer Ministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Frauen und Familie (TMASGFF) wurde eine (Begleit-)Studie zum Projekt Entwicklungspsychologische Beratung (EPB) durchgeführt. Bei der EPB handelt es sich um ein Beratungskonzept, mit dem Fachpersonen die Eltern von Säuglingen und Kleinkindern beim Aufbau einer entwicklungsförderlichen Eltern-Kind-Beziehung unterstützen und begleiten können. Ziel der Evaluation / Studie war es, den Erfolg der Weiterbildung kritisch zu reflektieren. Dabei wurde insbesondere den Fragen nachgegangen, welchen Nutzen die AbsolventInnen für ihre spätere Arbeit ziehen konnten, wie sie die Kenntnisse in ihre Arbeit einbetten können und wie sie sich mit Hilfe der Qualifizierung beruflich weiter entwickeln konnten. Im Dezember 2015 wurde ein Folgeantrag gestellt, sodass das Projekt im Jahr 2016 fortgesetzt werden konnte.

Zum einen sollte eine weitere Erhebung AbsolventInnen der Weiterbildung erfassen, die inzwischen ihren Arbeitsplatz gewechselt hatten, um zu prüfen, welchen Anteil an der beruflichen Weiterbildung die EPB-Weiterbildung hatte. Damit sollte die These überprüft werden, dass sich Fachpersonen durch diese Weiterbildung in beruflich anspruchsvollere Arbeitsfelder verändern. Zum anderen erschien es interessant, anhand ausgewählter Parameter aus den eingegangenen Antworten beider Befragungen der Fachpersonen mithilfe von Kreuztabellen zu überprüfen, ob einzelne erhobene Tendenzen sich in besonderem Maße auf spezifische Items zurückführen lassen. Dabei wurde auf folgende Kategorien der Erhebung zurückgegriffen:

  • Fachpersonen (Alter, Ausbildung, Arbeitsfelder, Arbeitsregionen, Berufserfahrung, Motive zur Ausbildung, Erfüllung der Erwartungen, Bedeutung und Bewertung der Ausbildung)
  • Anwendung von EPB (Häufigkeit, Vermittlungsinstanzen, Indikationen, kooperierende Einrichtungen, Soziale Herkunft der Familien)

Hierbei ergab sich eine Vielzahl von Differenzierungsmöglichkeiten, die interessante Aufschlüsse über den Erfolg von EPB in der Praxis liefern konnten. Gleichzeitig konnten sich nähere Aufschlüsse über die Stärken und Schwächen der Ausbildung aus Sicht der Fachpersonen und mögliche strukturelle Einschränkungen bei spezifischen Personengruppen oder (regionalen) Hintergründen ergeben. Beispielsweise war es von Interesse, ob bestimmte Berufsgruppen oder Arbeitsfelder, EPB in der Praxis häufig, selten oder gar nicht anwenden, insbesondere auch in Abhängigkeit von der individuellen Bewertung und damit der Haltung der Fachkräfte gegenüber ihrer Weiterbildung. Solche vertiefenden Erkenntnisse sollten durch die umfangreiche Analyse der Kreuztabellen erhoben und dargestellt werden. Dies wurde in Kooperation der Hochschule Nordhausen mit dem Fachbereich Mathematik der Universität Paderborn umgesetzt.

Der zweite Teil der Untersuchung erfolgte von April bis Juni 2016 und mündete in einen Abschlussbericht, der in einer vom Sozialministerium veranstalteten Fachtagung gemeinsam mit wissenschaftlichen Hintergründen zur Wirksamkeit präsentiert wurde.
 

Inklusion einmal anders

Das Projekte „Inklusion einmal anders“ hat  über die gesamte Grundschulzeit der inklusiven Klasse am K-v-G-H (Kardinal-von-Galen-Haus) in Dinklage die folgenden Aspekte analysiert: Zum einen wurden die Befürchtungen und Erwartungen sowie die Erfahrungen der LehrerInnen/MitarbeiterInnen und der Eltern der SchülerInnen mit und ohne Bedarf an sonderpädagogischer Unterstützung in Bezug auf die inklusive Beschulung erhoben. Zum anderen wurde die akademische Entwicklung der SchülerInnen mit und ohne Bedarf an sonderpädagogischer Unterstützung in den Bereichen Deutsch und Mathematik gemessen. Außerdem wurden die Auswirkungen der inklusiven Beschulung auf die außerschulische Partizipation in der inklusiven Klasse im Vergleich zu den Parallelklassen untersucht. Bezogen auf beide Klassen wurde zudem das sozial-emotionale Schulerleben erfasst. So umfasste die wissenschaftliche Begleitung der inklusiven Klasse am K-v-G-H differente Perspektiven.


Ziel der wissenschaftlichen Begleitung war, Aussagen über die Entwicklung der akademischen Leistung der SchülerInnen, ihrer Partizipation sowie ihrem sozial-emotionalen Schulerleben sowohl in jeder Klassenstufe, als auch im Gesamteindruck über die ersten vier Schuljahre tätigen zu können. Besonders waren hier Beobachtungen der Entwicklungen von Klassenstufe zu Klassenstufe in Form von Leistungs- oder Einschätzungsvergleichen bedeutsam. Dies wurde in Form einer Längsschnittanalyse konzipiert. An jeweils drei Messzeitpunkten wurden die Eltern sowie die MitarbeiterInnen des K-v-G-H befragt. Hier standen die Einstellungen zum inklusiven Schulprojekt zum jeweiligen Messzeitpunkt, sowie die Erfahrungen im Mittelpunkt der Befragung. Die Ergebnisse bieten die Möglichkeit, die Gestaltung der inklusiven Beschulung am K-v-G-H weiter zu entwickeln. Ein Abschlussbericht wurde der Schule sowie dem Schulträger (Josegsgesellschaft) vorgelegt.