Forschung

2. Symposium - "Familie und psychische Gesundeit - Anspruch und Wirklichkeit"

Am 22. Oktober 2014 wurde das 2. Symposium des ISRV zum Thema „Familie und psychische Gesundheit – Anspruch und Wirklichkeit“ durchgeführt.


Infolge des demografischen Wandels haben sich die Familienstrukturen und Lebensbedingungen von Familien in den letzten Jahrzehnten stark verändert. Die Pluralisierung von Lebensformen und die zunehmende Individualisierung der Biographie haben für die Familie sowohl Chancen als auch Risiken mit sich gebracht (vgl. Beck, 1986). Die Bewältigung des (Lebens-)Alltags wird zu einer „riskanten Chance“, die vielfältige Ressourcen erforderlich macht (Keupp, 1992). Unter den gegebenen Bedingungen stellen nicht nur die Vereinbarkeit der Familienbeziehungen als solches, sondern auch die Vereinbarkeit von Familie und Beruf sowie die Bewältigung und Organisation des inner- und außerfamiliären Alltags neue Herausforderungen dar.


Die Familie stellt in diesem Zusammenhang die erste und wichtigste Sozialisationsinstanz dar, innerhalb derer Werte sowie Normen vermittelt und erlernt werden, die die Qualität von sozialen Beziehungen zur Umwelt und das Handeln beeinflussen. Resilienzfaktoren wie erfüllende Bindungen/Beziehungen, Problembewältigungs- und Anpassungsstrategien sowie positive Aktivitäten sind Resultate eines gelungenen familiären Sozialisationsprozesses, die in belastenden Lebenssituationen Ressourcen darstellen und sich positiv auf das psychische Wohlbefinden auswirken. Zwecks Bewältigung auftretender Problemlagen, insbesondere unter Berücksichtigung steigender Anforderungen in allen Sozialisationsinstanzen und damit eingehender Mehrfachbelastungen, sind erlernte Strategien bedeutsam, die die psychische Gesundheit aller Familienmitglieder fördern und langfristig sichern. Die Einbindung in die Familie stellt somit eine bedeutende Quelle sozialer Unterstützung dar und trägt in entscheidender Weise zum Schutz vor psychischen Störungen wie auch anderen gesundheitlichen Beeinträchtigungen bei. Darüber hinaus ist die Familie nicht nur von zentraler Bedeutung, wenn es um die Ausprägung und Weiterentwicklung gesundheitsbezogener Einstellungen und Verhaltensweisen geht, sondern auch im gesundheitspolitischen Sinne als wichtige Versorgungsinstanz, auf die im Krankheitsfall oder bei Pflegebedürftigkeit zurückgegriffen werden kann.


Vor diesem Hintergrund verfolgte die Veranstaltungsreihe das Ziel, Informationen rund um das Thema "Familie und psychische Gesundheit" bereitzustellen, um die Bedeutsamkeit der Familie sowie der Rolle von Sozialisationsprozessen und deren Auswirkungen auf die psychische Gesundheit in den Fokus der Öffentlichkeit zu rücken. Darüber hinaus war es ein weiteres Anliegen der Veranstaltung, die regionale und überregionale Bekanntheit und Profilierung des Instituts für Sozialmedizin, Rehabilitationswissenschaften und Versorgungsforschung weiter voranzutreiben sowie die inhaltlichen Arbeitsschwerpunkte einer größeren (Fach-)Öffentlichkeit vorzustellen.

 

Die einzelnen Beiträge des Symposiums sind in der ISRV-Reihe unter dem Titel

Steffens, M., Borbe, C., Jendricke, V. (Hrsg.): Familie und psychische Gesundheit - Anspruch und Wirklichkeit. Ambivalenzen zwischen Stärkung und Entkräftigung. Unter Mitarbeit von Probst, J. und Urbanek, J., Frankfurt a. M., Referenz-Verlag, 2016

veröffentlicht worden.

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