{"id":39728,"date":"2026-04-02T07:14:46","date_gmt":"2026-04-02T05:14:46","guid":{"rendered":"https:\/\/www.hs-nordhausen.de\/science-blog\/?p=39728"},"modified":"2026-04-02T13:51:24","modified_gmt":"2026-04-02T11:51:24","slug":"ein-neues-fundament-fuer-das-digitale-produktmanagement-erstes-weltweites-lehrbuch-zum-produktmanagement-digitaler-produkte-erschienen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.hs-nordhausen.de\/science-blog\/en\/ein-neues-fundament-fuer-das-digitale-produktmanagement-erstes-weltweites-lehrbuch-zum-produktmanagement-digitaler-produkte-erschienen\/","title":{"rendered":"Ein neues Fundament f\u00fcr das digitale Produktmanagement: Erstes weltweites Lehrbuch zum Produktmanagement digitaler Produkte erschienen"},"content":{"rendered":"\n

Milliarden Menschen nutzen t\u00e4glich digitale Produkte, und Unternehmen wie Spotify, Amazon oder SAP bauen ihre gesamte Organisation um diese herum auf. Etwas zu erschaffen und die Welt aktiv zu ver\u00e4ndern ist ein menschlicher Ausdruck unserer F\u00e4higkeiten. In der modernen Digitalwirtschaft hat dieser Gestaltungswille in der Rolle des Produktmanagements sein zuhause gefunden. Doch wer sich diesem Feld heute ann\u00e4hern will, st\u00f6\u00dft auf eine H\u00fcrde: Begriffe, Konzepte und Praktiken sind oft uneinheitlich und widerspr\u00fcchlich. Es herrscht eine ausgepr\u00e4gte Sprachvielfalt, die den Diskurs zwischen Wissenschaft und Praxis erschwert.

Wer nach einer systematischen Verbindung von Forschung und Praxis sucht, fand bisher zwar unz\u00e4hlige Practitioner-Guides und Blogposts, aber kein deutschsprachiges Lehrbuch, das dieses Feld als eigenst\u00e4ndige Disziplin behandelt. \u201eMein Ziel mit dem neuen Lehrbuch \u201eProduktmanagement: Kontinuierliche Innovation digitaler Produkte\u201c ist es, hier eine Br\u00fccke zu schlagen,\u201c so Prof. Dr. Lutz G\u00f6cke von der Hochschule Nordhausen. Zusammen mit Michael Schulthei\u00df (reMarkable) hat er diese L\u00fccke geschlossen und Anfang 2026 das Lehrbuch zum Thema \u201eProduktmanagement“ ver\u00f6ffentlicht.<\/p>\n\n\n

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Abb.1: Prof. Dr. Lutz G\u00f6cke pr\u00e4sentiert das neue Standardwerk \u201aProduktmanagement: Kontinuierliche Innovation digitaler Produkte\u2018, das er gemeinsam mit Co-Autor Michael Schulthei\u00df ver\u00f6ffentlicht hat. \u00a9Bild: Lutz G\u00f6cke <\/em><\/p>\n\n\n

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Ein Berufsfeld mit enormem Zukunftspotenzial<\/strong><\/h2>\n\n\n\n

Warum ist dieser Bereich so essenziell? Digitales Produktmanagement ist eines der gefragtesten Berufsfelder der Digitalwirtschaft. Wir erleben gerade eine fundamentale Verschiebung: W\u00e4hrend Engineering durch generative KI immer schneller wird, liegt der eigentliche Engpass heute bei den Ideen und klaren Produktrichtungen. Das bedeutet: Die Kompetenz, zu entscheiden, was gebaut wird und ob es bei den Nutzern wirklich ankommt, bestimmt k\u00fcnftig \u00fcber den Erfolg digitaler Produkte. Technische Umsetzung (Delivery) verliert durch Technologiefortschritt an H\u00fcrden und gleichzeitig muss die menschliche F\u00e4higkeit in der Discovery und Direction zum entscheidenden Wettbewerbsvorteil steigen.<\/p>\n\n\n\n


Eine Disziplin ohne Lehrbuch<\/strong><\/h3>\n\n\n\n

Digitales Produktmanagement hat ein Paradox: Milliarden Menschen nutzen digitale Produkte. Tausende Menschen arbeiten im digitalen Produktmanagement und \u00a0\u00a0bauen ihre Organisationen darum herum auf. Doch an deutschsprachigen Hochschulen existierte bislang kein Lehrbuch, das digitales Produktmanagement als eigenst\u00e4ndige Disziplin behandelt. Es gibt Standardwerke zum klassischen Produktmanagement physischer G\u00fcter (z. B. von Herrmann & Huber, Aumayr oder Pepels), umfangreiche Forschung zu digitalen Innovationen und einflussreiche B\u00fccher von Praktikern vor allem aus dem angels\u00e4chsischen Raum (Cagan, Torres, Perri, Wille). Was fehlte, war ein Werk, das beides zusammenf\u00fchrt: die wissenschaftliche Fundierung und die Praxis digitaler Produkte
Digitale Produkte unterscheiden sich fundamental von physischen Produkten. Sie sind editierbar, verteilt, interaktiv und auch nach ihrer Bereitstellung reprogrammierbar. Interaktivit\u00e4t und Verteiltheit erm\u00f6glichen, dass einzelne digitale Objekte w\u00e4hrend der Entwicklung kombiniert werden k\u00f6nnen (z. B. durch Open Source Code oder Schnittstellen). Hieraus ergibt sich eine Vielzahl an Kombinationsm\u00f6glichkeiten f\u00fcr Entwicklungsteams zur Entwicklung eines digitalen Produktes. Diese Eigenschaften erm\u00f6glichen verteilte Entwicklungsprozesse, erh\u00f6hen die Reichweite digitaler Produkte und f\u00fchren zu deutlich k\u00fcrzeren Entwicklungszyklen im Vergleich zu physischen G\u00fctern. Gutenberg sah, als Vordenker der Betriebswirtschaft, den Sinn jeder betrieblichen T\u00e4tigkeit in der Bereitstellung von Produkten und Dienstleistungen. Dieses Verst\u00e4ndnis hat viele deutsche Unternehmen in Bezug auf Ihre Digitalaktivit\u00e4ten noch nicht erreicht. H\u00e4ufig werden diese als reine IT-Aktivit\u00e4ten missverstanden und die digitalen Angebote geraten nicht selten ins Abseits und werden bei Updates vergessen. Sp\u00e4testens mit der Novellierung der Produkthaftungsrichtlinie (EU) 2024\/2853 ist es f\u00fcr Unternehmen, aber auch rechtlich von gro\u00dfer Bedeutung, dass sie digitale Erzeugnisse als Produkte verstehen und diese \u00fcber den gesamten Lebenszyklus f\u00fchren. Anders als ein Projekt hat ein Produkt damit kein terminlich festgelegtes Ende, sondern besteht so lange fort, wie es einen Beitrag zu den Unternehmenszielen leistet, bzw. intern legitimiert ist.<\/p>\n\n\n\n


Das Produktmanagement fokussiert sich darauf die Entscheidungen \u00fcber die Richtung eines Produktes zu f\u00e4llen und sie in interdisziplin\u00e4ren Teams zu vertreten, bzw. kollaborativ zu entwickeln. Es \u00fcbernimmt somit eine zentrale Bedeutung f\u00fcr die Entwicklung digitaler Produkte. Obwohl viele Digitalunternehmen Produktmanagement in ihrem Unternehmen etabliert haben, fehlte es in der Vergangenheit an einer strukturierten Aufarbeitung dar\u00fcber, was digitales Produktmanagement ausmacht. \u201eProduktmanagement wird in vielen Unternehmen praktiziert, aber selten gelehrt“, sagt Prof. Dr. Lutz G\u00f6cke, Professor f\u00fcr Digitales Management an der Hochschule Nordhausen. Gemeinsam mit Michael Schulthei\u00df, Vice-President  Product & Technology beim norwegischen Technologieunternehmen reMarkable, hat er das Lehrbuch \u201eProduktmanagement: Kontinuierliche Innovation digitaler Produkte“ verfasst. Es erschien im Februar 2026 bei Springer Gabler und umfasst 679 Seiten mit rund 400 Abbildungen und Tabellen. Mehr als 30 Fachleute aus Wirtschaft und Wissenschaft haben das Manuskript begutachtet, darunter Professoren, Gr\u00fcnder, Product Manager und Alumni der Hochschule Nordhausen.<\/p>\n\n\n\n


Das 6D-Modell: Produktmanagement als kontinuierlicher Zyklus<\/strong><\/p>\n\n\n

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Abbildung 2: Das 6D-Modell f\u00fcr kontinuierliche Innovation digitaler Produkte, \u00a9Abbildung: Lutz G\u00f6cke <\/em><\/p>\n\n\n

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Das konzeptionelle R\u00fcckgrat des Buches ist das 6D-Modell. Es beschreibt Produktmanagement als Zyklus aus sechs Dimensionen und geht aus den Besonderheiten digitaler Produkte hervor:<\/p>\n\n\n\n