{"id":2117,"date":"2025-01-08T10:18:38","date_gmt":"2025-01-08T09:18:38","guid":{"rendered":"https:\/\/www.hs-nordhausen.de\/science-blog\/?p=2117"},"modified":"2025-01-21T13:55:14","modified_gmt":"2025-01-21T12:55:14","slug":"chancen-und-herausforderungen-in-der-sozialen-arbeit-durch-den-klimawandel","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.hs-nordhausen.de\/science-blog\/chancen-und-herausforderungen-in-der-sozialen-arbeit-durch-den-klimawandel\/","title":{"rendered":"Chancen und Herausforderungen in der Sozialen Arbeit durch den Klimawandel"},"content":{"rendered":"\n
von Hannah Maiwald, Betreuerin: Ines Jahne (M.A.)<\/p>\n\n\n\n
Wie kann die Soziale Arbeit eine Akteursrolle in der Debatte der Klimagerechtigkeit \u00fcbernehmen? Eine qualitative Befragung von Expert:innen der sozial\u00f6kologischen Transformation der Sozialen Arbeit<\/strong><\/p>\n\n\n\n <\/p>\n\n\n\n Soziale Arbeit hat das Ziel, Gerechtigkeit und Vielfalt in der Gesellschaft zu f\u00f6rdern sowie die Selbstbestimmung ihrer Klient:innen und Adressat:innen wieder herzustellen (vgl. DBSH 2016, S. 2). Dabei stehen auch eine nachhaltige Entwicklung und die Nutzung von beispielsweise sozialer und \u00f6kologischer Ressourcen der Klient:innen eine Rolle.<\/p>\n\n\n\n Laut Bundesministerium f\u00fcr wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung bedeutet Nachhaltigkeit oder nachhaltige Entwicklung \u201e[\u2026] die Bed\u00fcrfnisse der Gegenwart so zu befriedigen, dass die M\u00f6glichkeiten zuk\u00fcnftiger Generationen nicht eingeschr\u00e4nkt werden\u201c (BMZ 2024).<\/p>\n\n\n\n Werden diese beiden Definitionen betrachtet, k\u00f6nnen Zusammenh\u00e4nge zwischen sozialer und \u00f6kologischer Nachhaltigkeit gefunden werden. So bildet das soziale Handeln grundlegende Dimensionen f\u00fcr den Klimawandel, w\u00e4hrend der Klimawandel die Grundlage f\u00fcr das soziale Handeln bedroht (vgl. Liedholz 2023, S. 14).<\/p>\n\n\n\n Die Fachgruppe Klimagerechtigkeit und sozial\u00f6kologische Transformation der Sozialen Arbeit<\/em> der Deutschen Gesellschaft f\u00fcr Soziale Arbeit hat sich 2021 dieser Thematik angenommen. Auf Basis ihrer Arbeit konnten einige literarische Werke gesammelt werden, so wie das Grundlagenwerk Ber\u00fchrungspunkte von Sozialer Arbeit und Klimawandel <\/em>von Yannick Liedholz (vgl. DGSA 2024).<\/p>\n\n\n\n Abbildung 1 – \u00dcbersicht Forschungsstand zu Sozialer Arbeit und Klimawandel (eigene Darstellung)<\/em><\/p>\n\n\n\n <\/p>\n\n\n\n Aus der Auseinandersetzung mit der bestehenden Forschung und Literatur entwickelte sich schlie\u00dflich die Forschungsfrage:<\/p>\n\n\n\n Die Forschungsfrage teilt sich damit in zwei Bereiche: Zun\u00e4chst die Auswirkungen, sowie die Chancen und Herausforderungen auf die Interventionsfelder der Sozialen Arbeit. <\/em>F\u00fcr eine \u00fcbersichtliche und konkrete Forschung wurden f\u00fcnf Handlungsfelder ausgew\u00e4hlt:<\/p>\n\n\n\n Migration, Sozialpolitik, Machtverteilungen, Diskriminierungsprozesse und Bildung und P\u00e4dagogik.<\/p>\n\n\n\n Mithilfe einer qualitativen Forschung sollen dazu folgende Hypothesen hinterfragt werden:<\/p>\n\n\n\n Um diese Hypothesen zu beantworten, wurde sich auf konkrete Theorien der Sozialen Arbeit bezogen: Das Prinzip der sozialen Gerechtigkeit und Klimagerechtigkeit, aber auch die Soziale Arbeit als Menschenrechtsprofession nach Sylvia Staub-Bernasconi oder die Lebensweltorientierung nach Hans Thiersch (vgl. D\u00f6rfler und Stamm 2023, S. 83). Hierbei wurden Verkn\u00fcpfungen zwischen den bedrohten Menschenrechten und dem damit einhergehenden politischen Mandat der Sozialen Arbeit in Bezug auf den Klimawandel hergestellt (vgl. ebd.)<\/p>\n\n\n\n Abbildung 2 \u2013 Schwerpunkte, welche in der Bachelorarbeit beleuchtet wurden (eigene Darstellung)<\/p>\n\n\n\n <\/p>\n\n\n\n Der Forschungsbericht beginnt mit einem theoretischen Teil, um die bisherige Literatur und den Forschungsstand zusammenzutragen. Durch die Aktualit\u00e4t des Themas konnten nur wenige Forschungen gefunden werden, aber die Fachgruppe Klimagerechtigkeit und sozial\u00f6kologische Transformation der Sozialen Arbeit<\/em> der DGSA (vgl. DGSA 2024) wurde als sehr hilfreich befunden. Durch eine systematische Literaturrecherche konnte der bestehende Forschungsstand zusammengefasst werden (vgl. Niedermaier 2023, S. 168-172).<\/p>\n\n\n\n Dar\u00fcber hinaus wurde im weiteren Verlauf eine qualitative Forschung mit drei Expert:inneninterviews von einer Dauer von 45 Minuten durchgef\u00fchrt. Diese Interviews wurden aufgenommen, anschlie\u00dfend w\u00f6rtlich transkribiert (vgl. Fu\u00df, Karbach 2019, S. 31) und in einer qualitativen Inhaltsanalyse nach Kuckartz mit Hilfe des Programms MAXQDA<\/em> ausgewertet (vgl. ebd.). Damit sollte vor allem ein tiefgehender Blick der befragten Expert:innen in die Thematik erm\u00f6glicht werden, sodass vor allem nach Auswirkungen, den Chancen und Herausforderungen der Folgen des Klimawandels f\u00fcr die Soziale Arbeit gefragt werden konnte. Daraus konnte auch die Akteursrolle der Sozialen Arbeit in der Klimagerechtigkeit abgeleitet werden.<\/p>\n\n\n\n <\/p>\n\n\n\n Die Forschung zeigt, dass die Auswirkungen des Klimawandels als Querschnittsthema der Sozialen Arbeit deren gesamte Handlungsfelder ber\u00fchrt (vgl. Interview 1, Z. 27- 28; vgl. Interview 2, Z. 67-70). Die Menschenrechte sind durch den Klimawandel bedroht oder sind bereits jetzt in einigen Regionen nicht gew\u00e4hrleistet (vgl. D\u00f6rfler 2022, S. 84). Die Menschen, die bereits an den Rand der Gesellschaft gedr\u00e4ngt sind, am vulnerabelsten sind und diskriminiert werden \u2013 also vor allem die Menschen, die die Adressat:innengruppe der Sozialen Arbeit bilden \u2013, sind von den Folgen des Klimawandels am st\u00e4rksten betroffen (vgl. Liedholz 2021, S. 42-43; vgl. Interview 2, Z. 200-201; vgl. Interview 3, Z. 81- 83). Nicht nur auf der individuellen Ebene ergeben sich hier grundlegende Gerechtigkeitsdiskurse, sondern auch auf der nationalen und internationalen Ebene (vgl. ebd.).<\/p>\n\n\n\n Die gr\u00f6\u00dfte Herausforderung der Sozialen Arbeit wird wohl das Annehmen des eigenen politischen Mandats sein, um gesellschaftliche und politische Ver\u00e4nderung zu einer Aufgabe der Sozialen Arbeit zu erkl\u00e4ren (vgl. Liedholz 2023, S. 17; vgl. Interview 1, Z. 558-562; vgl. Interview 2, Z. 236-239). Die Soziale Arbeit muss ihre eigenen Mandate reflektieren (vgl. Interview 1, Z. 499-500). Ein wahrgenommenes politisches Mandat kann eine gro\u00dfe Chance der Sozialen Arbeit sein, sich ein politisches Mitbestimmungsrecht anzueignen, sodass nicht nur Symptome sozialer Ungleichheiten entstehend durch den Klimawandel behandelt, sondern auch Strukturen und Systeme ver\u00e4ndert und angepasst werden k\u00f6nnen (vgl. Interview 1, Z. 102-106; vgl. Interview 2, Z. 235; vgl. Wassermann 2023, S. 15). So k\u00f6nnte die Soziale Arbeit auf gesellschaftlicher Ebene Konzepte der Klimagerechtigkeit einfordern und umsetzen, Klimagerechtigkeitsprojekte erarbeiten, eigene Einrichtungen ver\u00e4ndern und Ma\u00dfnahmen zur Anpassung an die Auswirkungen des Klimawandels entwickeln (vgl. Staats 2023, S. 12). Im p\u00e4dagogischen und individuellen Kontext sollte sich die Soziale Arbeit des Themas der nachhaltigen Bildung annehmen, sowie die Erlebnisp\u00e4dagogik als Methode zur Herstellung des Mensch-Natur-Verh\u00e4ltnisses nutzen und mit Hilfe der Krisenbew\u00e4ltigung Emotionen auffangen (vgl. Interview 1, Z. 402-405; vgl. Liedholz 2021, S. 129).<\/p>\n\n\n\n \u00dcber die Chancen und Herausforderung der Sozialen Arbeit hinaus kann auch eine Rolle mit Hilfe des Konzepts der vier Wirkungsebenen von Liedholz konkretisiert werden (vgl. Liedholz 2023, S. 17). Diese Ebenen sind folgende:<\/p>\n\n\n\n Die Forschungsarbeit hat ein sehr junges Forschungsthema aufgegriffen und die Frage gestellt, ob die Mandate der Sozialen Arbeit erweitert werden sollen. Auch wenn das politische Mandat an der Hochschule Nordhausen bereits als solches anerkannt und an die Studierenden weitergetragen wird, so wird es von vielen Studierenden selbst noch nicht als solches wahrgenommen. Die Forschungsarbeit kann Studierenden erm\u00f6glichen, \u00fcber den Tellerrand hinaus zu blicken und die Soziale Arbeit mitzugestalten, sodass in dieser nicht nur die Krisenbew\u00e4ltigung, sondern auch die Pr\u00e4vention von Krisen angewendet wird. Aber auch mit Hilfe von Gastvortr\u00e4gen zum Thema wird mehr und mehr auf das Thema eingegangen. Dabei kann die Forschungsarbeit als Beispiel genommen werden und aufzeigen, wo die Akteursrolle der Sozialen Arbeit ansetzen k\u00f6nnte. Auch in der Studiengangsordnung sollen die Sustainable Development Goals aufgenommen und in den Vorlesungen mit anderen Themen verkn\u00fcpft werden. Die Herausforderung wird aber sein, dass die Studierenden und Dozierenden das politische Mandat der Sozialen Arbeit annehmen. Erst danach kann darauf eingegangen werden, dass der Klimawandel ein Teil des politischen Mandats der Sozialen Arbeit ist.<\/p>\n\n\n\n Aus der Forschungsarbeit kann geschlussfolgert werden, dass der Klimawandel jedes betrachtete Handlungsfeld der Sozialen Arbeit beeinflusst und somit ein Querschnittsthema bildet. Dabei ist f\u00fcr die Soziale Arbeit von Bedeutung, dass ihre Klientel am vulnerabelsten gegen\u00fcber den Folgen des Klimawandels ist. Somit ergibt sich aus der Sozialen Arbeit, dass sie auf den Klimawandel fr\u00fcher oder sp\u00e4ter reagieren muss. Um pr\u00e4ventiv bereits die Folgen des Klimawandels zu bearbeiten, m\u00fcssen Sozialarbeitende jedoch das politische Mandat anerkennen und umsetzen. Erst dann kann eine Akteursrolle im Kampf gegen die Folgen des Klimawandels angenommen werden, denn nur durch strukturelle Ver\u00e4nderungen kann pr\u00e4ventiv gearbeitet werden. Dabei kann Bezug auf das Modell der vier Wirkungsebenen von Liedholz genommen werden, sodass soziale Einrichtungen, Hochschulen und Individuen einem roten Faden folgen, um aktiv zu werden. Dabei ist Bildung f\u00fcr nachhaltige Entwicklung ein wichtiger Bestandteil der Akteursrolle.<\/p>\n\n\n\n Die Forschung wirft jedoch auch weitere L\u00fccken auf, die in weiteren Ausarbeitungen n\u00e4her beleuchtet werden k\u00f6nnen: So zum Beispiel kann die Akteursrolle anhand spezifischer sozialer Einrichtungen oder soziokultureller und queer-feministischer Theorien konkretisiert werden. Au\u00dferdem k\u00f6nnen die Curricula der Hochschulen auf den Einbezug der Klimagerechtigkeit gepr\u00fcft und \u00fcberarbeitet werden. Auch die einzelnen Handlungsfelder k\u00f6nnen konkretisiert aufgegriffen werden, so zum Beispiel die Zusammenh\u00e4nge zwischen Alltagsgewalt und Klimawandel.<\/p>\n\n\n\n So bilden all diese Themen eine Grundlage f\u00fcr die Zusammenf\u00fchrung der Sozialen Arbeit mit dem Klimawandel. Dabei stellt sich vor allem die Frage an den Fachbereich, ob das politische Mandat und auch das Mandat der Klimagerechtigkeit aufgenommen wird. Diese Schwierigkeit wirft auch die Frage auf, ob die Soziale Arbeit lediglich eine reagierende Profession ist oder auch selbst politisch agieren und mitgestalten m\u00f6chte.<\/p>\n\n\n\n Dar\u00fcber hinaus stellt die Forschungsarbeit auch die Notwendigkeit der Bearbeitung des Klimawandels dar. Denn letztendlich bleibt die Frage, wie andere Themen bearbeitet werden k\u00f6nnen, wenn die Lebensgrundlage schwindet.<\/p>\n\n\n\n Literarische Quellen<\/em>:<\/p>\n\n\n\n Bundesministerium f\u00fcr wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) (2024): <\/strong>Nachhaltigkeit (nachhaltige Entwicklung). URL: Nachhaltigkeit (nachhaltige Entwicklung) | BMZ<\/a><\/p>\n\n\n\n DBSH – Deutscher Berufsverband f\u00fcr Soziale Arbeit e.V (2014): <\/strong>Kommentar zur \u201eGlobal Definition of Social Work\u201c. URL: https:\/\/www.dbsh.de\/media\/dbsh-www\/downloads\/Global_Definition_of_Social_Work_Original.pdf<\/a><\/p>\n\n\n\n
<\/figure>\n\n\n\nInwiefern wirkt sich der Klimawandel auf die Interventionsfelder der Sozialen Arbeit aus und welche Herausforderungen und Chancen ergeben sich daraus?<\/h3>\n\n\n\n
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Schlussfolgerung und Ausblick<\/h3>\n\n\n\n
Referenzen<\/h2>\n\n\n\n