Studium & Lehre

Berufsaussichten Transdisziplinäre Frühförderung

In Deutschland erhalten jährlich Hunderttausende von Kindern Leistungen der Frühförderung. Auch in den meisten anderen europäischen Ländern gibt es diese Angebote. Der Bedarf steigt enorm. Seriöse Studien (z.B. Kiggs-Studie der Robert-Bosch-Stiftung) zeigen einen Hilfebedarf bei etwa 20% der Kinder im Vorschulalter auf, etwa 30% aller Kinder zwischen 3 bis 6 Jahren erhalten bereits heute in Deutschland therapeutische Unterstützung.

Neben dieser medizinisch-therapeutischen Frühförderung hat sich in den letzten 40 Jahren in Deutschland ein flächendeckendes System von pädagogischer und interdisziplinärer Frühförderung entwickelt, das in ca. 1.200 Frühförderstellen, über 120 Sozialpädiatrischen Zentren und Tausenden von (integrativen) Kindertagesstätten wirkt. Im Team mit verschiedenen Berufsgruppen aus Pädagogik, Medizin, Psychologie und Therapie werden hier, gemeinsam mit den Eltern, Säuglinge und Kleinkinder mit Entwicklungsrisiken oder (drohenden) Behinderungen möglichst frühzeitig gefördert und weiteren Beeinträchtigungen vorgebeugt. Dabei erhalten in Deutschland laut ISG-Studie im Auftrag des Bundesarbeitsministeriums

  • ca. 86.000 Kinder/Jahr Frühförderung durch Frühförderstellen,
  • ca.140.000 Kinder/Jahr Leistungen in einem Sozialpädiatrischen Zentrum.

Frühförderung in diesen Einrichtungen ist im Rehabilitationsgesetz (SGB IX) verbindlich geregelt und in Verbindung mit verschiedenen Leistungsgesetzen (SGB V, VIII, XII) als „familien- und wohnortnahes“ System (Frühförderungsverordnung) finanziell ausgestattet. Durch die UN-Behindertenrechts-Konvention besteht darüber hinaus seit 2009 ein (Rechts-) Anspruch auf Inklusion, d.h. es wird nicht mehr zwischen „behindert“ und „normal“ unterschieden – alle Kinder können die gleiche Kindertagesstätte und Schule besuchen. Damit alle Kindertagesstätten potentielle Anbieter einer (teilstationären) Frühförderung. Zur Umsetzung dieses Anspruchs fehlen kurzfristig in Deutschland mehr als Hunderttausend gut ausgebildete Fachpersonen. Die bisherigen fachlichen Ansätze zur Qualifizierung dieser ExpertInnen sind noch immer unzureichend. Meist fehlt eine zielgerichtete Ausbildung, die durchgängig den Anforderungen einer an der Lebenswelt des Kindes und deren Familie orientierten Beziehungs- und präventiven Förderarbeit entspricht. Ebenso fehlt es an qualifiziertem Personal in den (integrativen) Kindertagesstätten, die die individuellen Lebensbedingungen und damit die Ressourcen des Kindes als Grundvoraussetzung für differenzierte Bildungsangebote im Vorschulalter erkennen und stärken können.

Angesichts des starken Fachkräftemangels im Bereich Inklusion besonders für kleine Kinder fehlt es auch an Fachpersonen, die diese Fachkräfte ausbilden. Auch hierzu bietet sich eine Masterausbildung an. 

Qualifizierte Frühförderung ermöglicht den Übersetzungsprozess fachlicher Hilfen in den konkreten Sozialraum des Kindes und der Familie. Mit einem spezifischen Studienangebot werden Arbeitgebern Angebote unterbreitet, die Infrastruktur frühkindlicher Hilfen und der entsprechenden Familienbegleitung qualitativ aufzuwerten. Neben der Tätigkeit in ambulanten Einrichtungen finden gut ausgebildete Fachkräfte Arbeit in teilstationären integrativen Kindertagesstätten. Sie erwartet ein umfangreiches Arbeitsfeld, welches durch die Präventions- und Integrationsgebote des SGB IX (§§ 3 und 4) eine weitere Ausweitung erfahren hat.

Die Nachfrage der Arbeitgeber nach den bisherigen AbsolventInnen des Studiengangs ist enorm: Fast alle Absolventen des Studiengangs erhalten bereits vor dem Ende des Studiums Arbeitsplatzangebote aus dem Feld der Frühförderung oder setzen ihr Studium mit Master-Studiengängen an anderen deutschen Universitäten oder Fachhochschulen fort. Die Qualität der neuen Ausbildung spricht sich schnell herum und führt bereits im Vorfeld von Stellenvergaben zu Anfragen künftiger Arbeitgeber an die Dozenten.