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Hochschule Nordhausen


Digitale Produkt- und Innovationsideen der HS Nordhausen überzeugen beim Unternehmergeist Saar

Digitale Produkt- und Innovationsideen der HS Nordhausen überzeugen beim Unternehmergeist Saar

Veröffentlicht am: 18. December 2025

Von

Dr. Sebastian Gerth (Dozent im Studiengang Digitales Produktmanagement an der Hochschule Nordhausen)


Geschätzte Lesezeit: 4 Minuten

Wie Studierende verschiedener Hochschulen ein digitales Lernprogramm für Demenzpatienten und Demenzpatientinnen konzipierten – und warum der Ansatz beim Demo-Day des Unternehmergeists Saar in Saarbrücken mit Beteiligung der HS Nordhausen überzeugte: Ein Blick auf die institutionenübergreifende Lehre und ihre Vorteile für die Studierenden.

Hintergrund und Kontext

Die Lehrveranstaltung Digital Economics im Studiengang Digitales Produktmanagement (DPM) an der HS Nordhausen wurde in diesem Semester in Kooperation mit dem August-Wilhelm Scheer Institut) in Saarbrücken durchgeführt, welches das Programm Unternehmergeist Saar anbietet. Hierdurch hatten die Studierenden die Gelegenheit, im Rahmen eines Seminars nicht nur vom Knowhow eines einzelnen Lehrenden, sondern auch vom Wissen zahlreicher weiterer Experten zu profitieren. In kurzer Zeit bot sich so die Gelegenheit, neben theoretischen Inhalten auch praktische Anwendungen und ihre Besonderheiten aus unterschiedlichen Blickwinkeln zu betrachten und erste Startup-Ideen aus dem Digitalbereich zu konzipieren. Am Ende der Konzeptionsphase stand beim Demo-Day die Präsentation der Ideen sowie die Kür eines Gewinnerteams auf dem Programm.

Beim jüngsten Demo-Day präsentierten insgesamt acht Studierenden-Teams ihre eigenen Startup-Ideen. Ziel der Veranstaltung war es, innovative und gesellschaftlich relevante Geschäftsideen zu entwickeln und diese vor einer Fachjury zu pitchen. Im Anschluss erhielten die Teams kritisches Feedback zur Weiterentwicklung ihrer Konzepte. Das Format verbindet Entrepreneurship-Education mit realen Problemlagen und unterstützt junge Teams dabei, tragfähige Lösungen im Bereich Digital Business zu entwerfen.

Eines dieser Teams war die Gruppe ReMindUs, an der auch ein Studierender der Hochschule Nordhausen – Michael Merse – beteiligt war. Das avisierte Projekt fokussiert sich auf ein adaptives, digitales Lernprogramm für Demenzpatienten, das pflegende Angehörige entlastet und individuelle Lernprozesse gezielt unterstützt. Der Ansatz ist besonders relevant, da Demenz zu den am stärksten wachsenden Gesundheitsherausforderungen der kommenden Jahrzehnte gehört. Innovative und niedrigschwellige Angebote, die sowohl Betroffenen als auch pflegenden Personen zugutekommen, sind ein zentraler Baustein zukünftiger Versorgungsmodelle.

Der Demo-Day in Saarbrücken bot den Teams die Gelegenheit, ihre Konzepte vor einer Jury aus Experten aus Wirtschaft, Wissenschaft und Gesellschaft vorzustellen. Organisiert durch das Team des Unternehmergeists Saar und moderiert von Michelle Celine Jörgens und Florian Sauer, zeigte das Event eindrucksvoll, wie praxisnahe Entrepreneurship-Lehre heute gestaltet werden kann.

Gleichzeitig wurde deutlich, wie wichtig interdisziplinäre Zusammenarbeit in der digitalen Produktentwicklung ist: Die Teams setzten sich aus Studierenden unterschiedlicher Universitäten, Hochschulen und Fachrichtungen zusammen und vereinten dadurch vielfältige Perspektiven. Dabei konnten zahlreiche Vorteile des eigenen Projekts ausgebaut und vielfach Nachteile auch erst identifiziert werden. So steht am Ende ein Produkt, welches deutlich näher an der Marktreife ist als bei einer isolierten Betrachtungsweise.

Methodik

Im Rahmen des Seminars erarbeiteten die Studierenden zunächst grundlegende Konzepte zum Teambuilding, der digitalen Geschäftsmodellentwicklung, der Nutzerzentrierung sowie der Pitch-Kommunikation. Gekennzeichnet war dieser Prozess durch eine besonders praxisnahe Methodenvielfalt in vier Bereichen:

  • Problemdefinition und Zielgruppenanalyse
  • Entwicklung eines digitalen Prototyps
  • Validierung durch Feedback-Runden mit Experten
  • Pitch-Training, Pitch vor Jury und Publikum sowie kritische Jurybefragung

Die Datengrundlage für die Ideation, also den strukturierten Prozess der systematischen Ideenfindung und -entwicklung des digitalen Produkts, speiste sich aus unterschiedlichen Quellen. Im Falle des Siegerteams war dies etwa Fachliteratur zum Thema Demenz, Erkenntnisse aus pflegerischen Praxisbezügen sowie Nutzerfeedback von Angehörigen. Die Jury bewertete die Projekte entsprechend anhand von Innovationsgrad, Umsetzbarkeit, gesellschaftlicher Wirkung und der Qualität des Business-Pitches.

Präsentation der Ergebnisse und Diskussion

Das Gewinnerteam ReMindUs überzeugte mit der Entwicklung eines adaptiven Lernprogramms, das Demenzpatienten spielerisch kognitive Impulse vermittelt. Der digitale Ansatz umfasst personalisierte Lerneinheiten, kontinuierliches Monitoring sowie eine einfache und intuitive Bedienung für Betroffene und Angehörige. Die Jury würdigte insbesondere die hohe gesellschaftliche Relevanz, die klare technische Umsetzbarkeit des präsentierten Prototyps, die starke Teamleistung und die professionelle Kommunikation sowie die gelungene Verbindung von digitaler Innovation und Pflegepraxis.

Der Pitch wurde in einem intensiven Q&A-Format geprüft. Die kritischen Nachfragen machten sowohl die Potenziale als auch die bestehenden Herausforderungen deutlich, vor denen das Team bei weiteren Schritten stehen würde. Dies waren Aspekte etwa in Bezug auf Datenschutz, Betreuungskonzepten oder die Einbindung pflegerischer Dienste.

Einfluss auf die Hochschule Nordhausen und das AWS-Institut

Durch die Teilnahme der Studierenden fließen zentrale Ansätze aus dem Unternehmergeist Saar direkt zurück in den Studiengang DPM. Themen wie digitale Geschäftsmodelle, nutzerzentrierte Entwicklung und interdisziplinäre Zusammenarbeit werden künftig noch stärker in die Lehre integriert.

Die gewonnenen Erkenntnisse unterstützen zudem die Weiterentwicklung einzelner Module, insbesondere im Bereich Entrepreneurship und Produktdesign. Studierende erhalten so konkrete Beispiele dafür, wie digitale Innovationen entstehen und umgesetzt werden können.

Die enge Verzahnung von Lehre und ersten Schritten in der unternehmerischen Praxis zeigt deutlich, wie praxisnahe Erfahrungen und wissenschaftliche Ausbildung ineinandergreifen. Das Feedback einer externen Jury, die Anforderungen realer Märkte sowie die Zusammenarbeit mit einem externen Institut und anderen Wissenschaftseinrichtungen fördern die Fähigkeit der Studierenden, theoretisches Wissen in funktionale digitale Produkte zu übersetzen. Gleichzeitig stärkt die Kooperation die Sichtbarkeit der Hochschule Nordhausen im Bereich Digital Business.

Für den Studiengang DPM eröffnet die Zusammenarbeit neue Perspektiven, u.a. in den Bereichen digitale Geschäftsmodellinnovationen, KI-gestützte Lernsysteme und nutzerzentrierte Gestaltung. Die Hochschule Nordhausen kann so ihre Rolle in der anwendungsorientierten Forschung sowie der Etablierung des Unternehmergeists weiter stärken und zugleich einen Beitrag zur Bewältigung gesellschaftlicher Herausforderungen leisten.

Schlussfolgerungen und Ausblick

Die Lehrveranstaltung Digital Economics demonstriert eindrucksvoll, wie Studierende mithilfe gezielter Methoden, interdisziplinärer Zusammenarbeit und realer Wettbewerbsformate auch in kurzer Zeit innovative Lösungen entwickeln können. Die Verbindung aus digitaler Produktentwicklung, gesellschaftlicher Relevanz und wissenschaftlicher Reflexion schafft ein besonders wertvolles Lernfeld, welches modellhaft auch für andere Lern- und Lehrinnovationen an der HS Nordhausen steht. Insbesondere für die Studierenden ist ein solches Format von hohem Wert, dem unabhängig vom Studiengang weitere folgen können.

Bildmaterial: (v. l. n. r.): Sebastian Gerth, Malaika Khan, Melissa Watzek, Fabienne Arnemann, Michael Merse, Lennard Heddergott, Sven Jünemann
(Copyright: privat / bereitgestellt durch das Lehrteam)