
Prof. Dr. Cordula Borbe
Professorin, Vizepräsidentin für Studium und Lehre
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„Jüdisches Leben ist heute oft unsichtbar – auch an Hochschulen. Diese Unsichtbarkeit schützt nicht, sie isoliert. Es ist unsere gemeinsame Aufgabe, die Hochschule zu einem sicheren Ort der Begegnung zu machen, an dem niemand ihre oder seine Herkunft leugnen muss.“
Prof. Dr. Cordula Borbe
Die Antisemitismusbeauftragte ist zentrale Ansprechperson bei antisemitischen Vorfällen und Fragen rund um das Thema Antisemitismus an der HSN.
Weiterbildung für Thüringer Hochschullehrende: It’s not complicated?! – Antisemitismus erkennen, verstehen und handeln – in Zusammenarbeit mit der Bildungsstätte Anne Frank, Samuel Stern
Was ist am 07. Oktober 2023 passiert?
An dem jüdischen Feiertag, Simchat Tora, das Freudenfest der Tora, wurde Israel am 7. Oktober 2023 von 3000 Kämpfern der Terrororganisation Hamas barbarisch angegriffen. Dabei töteten sie 1200 Menschen in verschiedenen Kibbuzim und auf einem Open-Air-Musikfestival im Süden Israels und verschleppten weitere 250 in den Gazastreifen. 24 Geiseln sind noch immer in der Gewalt der Hamas. Es war das schlimmste Pogrom an Juden und Jüdinnen seit dem Holocaust. Sie kamen auf dem Land- und Seeweg, sie flogen mit Paraglidern ein, wiesen den Bodentruppen den Weg, schossen alles nieder, was sich ihnen in den Weg stellte. In mehr als 20 Kibbuzim drangen die Terroristen ein. Es ist der schlimmste Pogrom an Juden seit dem Ende des Holocaust. Die Gewalt trifft das Land ins Mark. Es ist ein Angriff auf Israels Seele, den die Feinde Israels auskosten.
Warum ist es so wichtig, darauf aufmerksam zu machen?
Weil es ein extrem bestialischer Angriff war, der kaum in Worte zu fassen ist. Es ist insbesondere zu schweren und systematischen sexuellen Gewaltverbrechen gekommen. Die sexuellen Übergriffe und Vergewaltigungen wurden von mehreren Teilnehmern verübt und umfassten sadistische Handlungen brutalster und demonstrativer Art [Bericht der israelischen Vereinigung von Krisenzentren für Vergewaltigungsopfer (ARCCI)]. Die meisten Opfer sind während oder nach der Vergewaltigung ermordet worden. Vor allem Frauen, aber auch Kinder und Männer sind Opfer sexualisierter Gewalt geworden. Bei den Folterungen sollten Frauen „explizit geschändet und entmenschlicht werden“. Dafür seien sie „vergewaltigt, missbraucht, verbrannt, enthauptet, ermordet [worden] – zum Teil vor ihren Kindern“.
Was waren die Folgen des 07. Oktober 2023?
Die Zahl antisemitischer Vorfälle in Deutschland ist im vergangenen Jahr erneut stark angestiegen. 2024 wurden 8.627 Fälle erfasst, was eine Zunahme um 77 Prozent bedeutet. Mit dem 7. Oktober 2023 begann deshalb (auch in Deutschland) für viele Jüdinnen und Juden eine neue Zeitrechnung. Ihr Leben teilt sich in ein Davor und ein Danach. In allen Lebensbereichen kommt es zu antisemitischen Vorfällen, insbesondere im persönlichen Nahbereich, am Arbeitsplatz, im Bildungswesen, in der Öffentlichkeit und in den Medien. Für viele Jüdinnen und Juden in Deutschland ist der 7. Oktober 2023 ein tiefgehender Einschnitt, der zugleich eine grundlegende Differenzerfahrung zu „nichtjüdischen Deutschen“ ist; sie erleben Empathielosigkeit und Entsolidarisierung, Kontaktabbrüche und den Verlust der politischen Heimat, Entfremdung und zugleich das Zusammenrücken der Community. Das Unsicherheitsgefühl von Jüdinnen und Juden ist nochmals angestiegen und die Solidarität seitens der Gesellschaft ist spürbar gesunken.
Jüdische Studierende trauen sich nicht mehr auf ihren Campus, weil propalästinensische Demos oder Protestcamps veranstaltet werden, jüdische Lehrende in deutschen Hochschulen fühlen sich ebenfalls nicht sicher.
Was ist der aktuelle Stand im Gaza Streifen?
Israel hat seine Bodenoffensive in Gaza-Stadt gestartet. Die Bevölkerung ist auf der Flucht. Es handelt sich um eine verheerende Situation. Es gibt aus militärischer und auch aus politischer Perspektive keine Gründe für diese von Netanjahu gestartete Offensive, da sowohl der Generalstabschef und die Sicherheitsbehörden abgeraten haben. Diese Bodenoffensive gefährdet zudem das Leben der Geiseln. Sie ist aus humanitärer Perspektive nicht nachvollziehbar. Und deswegen ist die Kritik der Bundesregierung und vieler anderer Regierungen weltweit auch sehr gut nachvollziehbar.
Handelt es sich um einen Konflikt zwischen Hamas und Israel oder Palästina und Israel?
Die aktuellen militärischen Auseinandersetzungen im Gazastreifen erfolgen überwiegend zwischen der Hamas, die den Gazastreifen kontrolliert, und den israelischen Streitkräften. Dieser Konflikt ist aber auch Teil des langjährigen israelisch-palästinensischen Konflikts, der mit Fragen von Staatsgründung, Territorium und Menschenrechten zusammenhängt. Es ist wichtig zu betonen, dass viele Palästinenser*innen und Israelis aufbegehren und extrem unter dem andauernden Konflikt leiden. Aber die Hamas ist eine Terrororganisation, zwar 2006 von den Palästinenser*innen gewählt, aber dennoch bekannt dafür, auch das eigene Volk zu opfern, während Israel die einzige Demokratie in dem gesamten arabischen Raum ist. Das macht einen erheblichen Unterschied bzgl. der Konsequenzen, wenn Menschen protestieren. In Israel existiert Meinungsfreiheit, die durch zahlreiche öffentliche Demonstrationen gegen die Politik Netanjahus zum Ausdruck kommt. Im Gaza Streifen wird öffentliche Kritik an der Hamas in der Regel durch Gewalt blutig unterdrückt.
Was hat das alles mit Antisemitismus zu tun?
Der Anstieg antisemitischer Straftaten seit dem 7. Okt. 2023 ist gigantisch. Eine Welle des Hasses mit 8627 Vorfällen allein im Jahr 2024. Das gipfelte in Deutschland jüngst in einem Flensburger Geschäft: Juden haben hier Hausverbot.
Eine Jüdin und Mutter von zwei Kindern drückte die Folgen für ihren Alltag vor wenigen Monaten folgendermaßen aus: Alle Strategien im Umgang mit Antisemitismus im Alltag, die wir uns überlegt hatten, funktionieren seit dem 7. Oktober 2023 so nicht mehr.
Was bedeutet das alles für uns?
Wenn ich davon ausgehe, dass Sie mit uns sich und mich und alle Studierenden und Beschäftigten der Hochschulen meinen, sind viele Bedeutungen möglich:
Wie informiere ich mich? Welche Quellen sind meine Nachrichtenquellen? Bin ich bereit, auch mal die jüdische Perspektive zu lesen, zu hören?
Wie solidarisiere ich mich mit Studierenden/Lehrenden in Deutschland, die der jüdischen Community angehören?
Sollte/ Muss/ Kann man Partei ergreifen? Wer sollte/ muss/ kann dazu Stellung nehmen?
Das kann letztlich nur jede Person für sich entscheiden. Die wenigsten Personen sind Expert*innen des Nahostkonflikts, der ja bekannterweise sehr komplex ist und mit der Frage beginnen müsste: Wann hat der Konflikt begonnen? Und welche Rolle nimmt Deutschland ein? Und wie ist das Massaker am 7. Okt. 2023 vor dem Hintergrund zu bewerten, dass die Hamas Israel vernichten wollen?
Aber – Wer sollte/ muss/ kann dazu Stellung nehmen? Partei ergreifen, Stellung beziehen sollte ich dann, wenn Menschenrechte missachtet werden, wenn Menschen sich nicht sicher fühlen können in Deutschland, nicht in Sicherheit studieren können. Seit dem Überfall der Hamas auf Israel hat es an etwa 40 Prozent der Hochschulen in Deutschland antisemitische Vorfälle gegeben. Das geht aus einer neuen Befragung hervor. Demnach gab es an 33 Prozent der Hochschulen gegen Juden gerichtete Graffiti, Aufkleber oder Plakate und an 10 Prozent antisemitische Parolen auf Demonstrationen. Vereinzelt kam es zu verbalen oder sogar körperlichen Angriffen auf jüdische Studierende oder zu verbalen Angriffen auf jüdische Lehrende. Das geht aus einer in Berlin vorgestellten Studie der Universität Konstanz zu Antisemitismus an Hochschulen im Auftrag des Bundesforschungsministeriums hervor. Daran nahmen 94 von 271 Mitgliedshochschulen der Hochschulrektorenkonferenz teil. Zudem wurden im Dezember 2024 und Januar 2025 fast 1.900 Studierende an deutschen Hochschulen befragt.
Soll/ Muss/ Kann man sich dazu eine Meinung bilden?
Ja, da es nicht sein kann, dass Studierende und Lehrende jüdischer Herkunft sich hier bei uns mitten in Deutschland verstecken müssen, ihre Identität verleugnen müssen, sich nicht sicher fühlen können und angefeindet werden. Oder weil Treffpunkte für Menschen aus der jüdischen Community wie ein Hochsicherheitstrakt geschützt werden müssen.
Wo und wie kann man sich zum Thema weiterbilden?
Auf sehr vielen Wegen: Bei RIAS, OFEK und der israelischen Gesellschaft. Bei Nachrichten immer verschiedene Quellen nutzen: Social-Media ist da sicher eher nicht geeignet, weil zu tendenziös. Lieber mal die Jüdische Allgemeine lesen Haaretz (israelische Tageszeitung) lesen. Und vor allem ist es wichtig, auch aus jüdischer Perspektive den Konflikt zu verfolgen.
Wo und wie kann man sich engagieren?
Es gibt auch hier viele Möglichkeiten:
Aus studentischer Perspektive Kontakt zu der JSUD aufnehmen und sich verbünden. Am 7. Oktober an Mahnwachen teilnehmen. 24 Geiseln sind noch immer in der Gewalt der Hamas. Sich das Magazin Israel im Faktencheck herunterladen. Bücher lesen. Besonders lehrreich finde ich diese drei Bücher:
Ein Podcast über den Terrorangriff der Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023 und die Folgen in der Gegenwart. Die Beauftragte gegen Antisemitismus der Hochschule Nordhausen, Frau Prof. Dr. Cordula Borbe beantwortet die Fragen des studentischen Assistenten Jonathan Martinius rund um die politischen und gesellschaftlichen Konsequenzen, den starken Anstieg antisemitischer Vorfälle in Deutschland, die Verunsicherung jüdischer Studierender und Lehrender sowie Fragen von Solidarität und politischer Stellungnahme. Abschließend gibt Frau Prof. Dr. Cordula Borbe Hinweise zu Informationsquellen, Möglichkeiten des Engagements und weiterführender Literatur.
Prof.in Cordula Borbe ist Mitglied im Unterstützerkreis des Netzwerks Jüdischer Hochschullehrender in Deutschland, Österreich und der Schweiz.
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