Fotos: Cornelius Pfannkuch Film & Fotografie
Home | Europa vernetzt sich quantensicher: Startschuss für das trilaterale Infrastrukturprojekt QUANT-GPICz
2. Juni 2026
Nordhausen. Hochschule Nordhausen leitet internationales Konsortium zum Aufbau einer hochsicheren Kommunikationsachse zwischen Deutschland, Polen und Tschechien / Strategischer Beitrag zur digitalen Resilienz und Souveränität Europas. Mit dem heutigen Kick-off-Event wurde der offizielle Startschuss für das Forschungsprojekt QUANT-GPlCz – QKD Network Germany-Poland-Czech research project gegeben. Das Vorhaben markiert einen Wendepunkt in der europäischen Cybersicherheit: Erstmals werden nationale Quanten-Kommunikationsinfrastrukturen (QCI) zu einem trilateralen Backbone verknüpft.
Fotos: Cornelius Pfannkuch Film & Fotografie
Erfolgreiches Fundament durch Vorläuferprojekt Q-net-Q
QUANT-GPICz baut unmittelbar auf den Ergebnissen des Vorläuferprojekts Q-net-Q auf, das ebenfalls unter der Leitung der Hochschule Nordhausen stand. Im Rahmen von Q-net-Q wurden bereits mehrere Glasfaser-Teststrecken erfolgreich etabliert, darunter die rund 150 Kilometer lange Verbindung zwischen Nordhausen und Erfurt. Darüber hinaus bestehen Teststrecken zwischen Berlin und Frankfurt am Main mit einer Länge von etwa 670 Kilometern sowie zwischen Erfurt und Jena mit rund 70 Kilometern. Während dort die Integration der Quantenschlüsselverteilung (QKD) in konventionelle Netze und telemedizinische Anwendungen im Fokus stand, erweitert QUANT-GPICz diesen Ansatz nun auf eine internationale Ebene.
Strategischer Beitrag zur digitalen Souveränität
Das Projekt leistet einen Beitrag zur Umsetzung der Ziele der Bundesregierung in den Bereichen Cybersicherheit und technologische Führungsrolle. Durch den Aufbau abhörsicherer Datenwege zwischen staatlichen Stellen, kritischer Infrastruktur und Internet-Knotenpunkten sichert QUANT-GPICz die digitale Grundversorgung ab. Dies entspricht den Leitlinien des Koalitionsvertrags 2025, der der digitalen Resilienz höchste Priorität einräumt, sowie der europäischen EuroQCI-Initiative.
Technologische Meilensteine: Das Rückgrat für Europas digitale Souveränität
Ein zentraler Schwerpunkt von QUANT-GPICz liegt in der Überwindung nationaler Grenzen durch den Aufbau einer trilateralen Quanten-Infrastruktur. Hierzu werden neue QKD-Backbone-Verbindungen (Quantum Key Distribution) realisiert, welche die Metropolen Frankfurt am Main, Warschau, Berlin und Prag physisch miteinander verknüpfen. Durch diesen Ausbau werden die bereits bestehenden nationalen Quantennetze – das deutsche Q-net-Q, das polnische PIONIER-Q sowie das tschechische CZQCI – zu einem integrierten, grenzüberschreitenden Netzwerk verschmolzen.
Parallel zur infrastrukturellen Vernetzung steht die Integration kritischer Sektoren im Fokus der Forschung. In Zusammenarbeit mit DE-CIX, dem weltweit führenden Internet und Cloud Exchange Betreiber sowie Interconnection-Dienstleister werden hochsichere private Zusammenschaltungen und Konnektivitätslösungen erprobt, um den Datenaustausch zwischen Rechenzentren auf ein neues Sicherheitsniveau zu heben. Die praktischen Einsatzmöglichkeiten erstrecken sich dabei auf hochsensible Bereiche der staatlichen und wirtschaftlichen Grundversorgung: So werden konkrete Konzepte zur Absicherung von Übertragungsnetzen der europäischen Energieversorgung, sowie für die vertrauliche Kommunikation staatlicher Institutionen, etwa der Bundesdruckerei, entwickelt.
Ein technologisches Alleinstellungsmerkmal des Projekts ist zudem die Kopplung terrestrischer Netze mit dem Weltraumsegment. Durch die Synchronisation des Glasfasernetzes mit optischen Bodenstationen schafft QUANT-GPICz die notwendigen Schnittstellen für das zukünftige EuroQCI-Weltraumsegment. Dieser hybride Ansatz ermöglicht eine durchgehende, quantengesicherte Kommunikation über weite Distanzen und stärkt die europäische Cyber-Abwehr. Er bildet die Grundlage für einen verlustfreien und geschützten Informationsaustausch zwischen den Security Operation Centers (SOCs) der beteiligten EU-Mitgliedsstaaten.
Ein starkes europäisches Konsortium: Allianz aus Wissenschaft und Wirtschaft
Die erfolgreiche Umsetzung dieses komplexen Vorhabens basiert auf der engen Zusammenarbeit eines breit gefächerten Konsortiums unter der Koordination von Prof. Dr. Thomas Hühn, Projektleiter und Konsortialführer der Hochschule Nordhausen. Auf deutscher Seite vereint das Projekt die Expertise führender Forschungseinrichtungen – darunter das Fraunhofer IOF Jena, Fraunhofer HHI Berlin und Fraunhofer IIS, Institutsteil Entwicklung Adaptiver Systeme sowie die Technischen Universitäten in Berlin und München. Ebenfalls mit dabei sind innovative Industrieakteure wie der Interconnection Dienstleister DE-CIX und der Quantum Optics Jena GmbH.
Diese nationale Kompetenz wird durch starke Partner aus Polen und Tschechien ergänzt, wie das Institute of Bioorganic Chemistry (PAS), die NASK, die Politechnika Wrocławska sowie die Czech Technical University in Prague.
Unterstützt wird das Konsortium zudem durch ein Netzwerk assoziierter Partner aus der Praxis, zu denen unter anderem das Deutsche Forschungsnetz (DFN), die Gasline GmbH & Co. KG, die Bundesdruckerei GmbH sowie die Thüringer Netkom gehören. Gemeinsam bündeln diese Akteure ihre Ressourcen, um die Marktreife von Quantenkommunikationstechnologien zu beschleunigen und europäische Sicherheitsstandards zu setzen.
Über QUANT-GPICz
Das Projekt kombiniert physikalische Sicherheit durch Quantenmechanik mit moderner Netzwerkplanung, um die technologische Unabhängigkeit Europas zu stärken. QUANT-GPICz verfügt über ein Gesamtvolumen von rund 18 Millionen Euro. Die Finanzierung erfolgt im Rahmen der europäischen EuroQCI-Initiative und wird zu jeweils 50 % durch die Europäische Union sowie auf deutscher Seite durch das Bundesministerium für Digitales und Staatsmodernisierung (BMDS) gefördert.
Bildunterschrift: Quant-GPICz QKD & IT Topologie
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