Home | 6-1: Programmpolitische Entscheidungen bei Wrigley
Marketing-Lehrbuch, Kapitel 6
Produktpolitik → Programmgestaltung → Entscheidungen der Programmpolitik (Kapitel 6.2.3)
Ausgangspunkt des folgenden Beispiels ist die Angebotsstruktur der Marke Wrigley’s Extra, die als Markenfamilie seit 1978 im Süßwarenmarkt im Teilmarkt „Zahn- und Mundpflegeprodukte“ (Oral Care) erfolgreich etabliert ist. Diese Produkte dienen im Buch an einigen Stellen zur Veranschaulichung der Inhalte und sollen hier die Begriffe praxisnah vermitteln. Es wurden unter anderem folgende programmpolitischen Entscheidungen getroffen, die zu entsprechenden Gestaltungsentscheidungen einzelner Produkte geführt haben.
Für den Teilmarkt „Mundpflege“, der bei Wrigley mit den Marken „Wrigley’s Extra“ und „Wrigley’s Extra Professional“ bearbeitet wird, erfolgte eine Produktentwicklungsstrategie durch die Einführung der (Subbrand) „Wrigley’s Extra Professional Mints“ (Abbildung 1). Aufgrund der spezifischen Nutzenstiftung („sauberes Mundgefühl“ und „Zungenreinigung“), die von den anderen Produkten der Marke Wrigley’s Extra bisher nicht ausgelobt wurden, und der eigenständigen Produktleistung (neuartige Pastille mit einer geriffelten Oberfläche) handelt es sich dabei um eine Produktinnovation, die markentechnisch als Produktlinienerweiterung der Marke „Wrigley’s Extra Professional“ realisiert wurde.

Produktinnovation bei Wrigley’s Extra (2006): Einführung der „Extra Professional Mints“ in vier verschiedenen Geschmacksrichtungen.
Die Grafik zeigt vier flache Metalldosen der Sorte „Extra Professional Mints“. Die Dosen sind leicht geöffnet und geben den Blick auf die runden, zweifarbigen Pastillen mit Rillenstruktur frei.
Produkteigenschaften: Alle Dosen tragen den Hinweis „OHNE ZUCKER“ und „MUNDPFLEGE FÜR ZWISCHENDURCH“.
Sorten: Classic (Blau), Ananas Guave (Gelb), Waldfrucht (Pink) und Freshmint (Türkis).
Gleichzeitig verfolgte Wrigley mit der Einführung einer neuen Verpackung für die bereits existierenden Zahnpflege-Kaugummis der Marke „Wrigley’s Extra“ eine Marktdurchdringungsstrategie, die in diesem Fall durch eine Produktdifferenzierung erfolgte, da es im Produktnutzen und der Produktleistung keinen Unterschied zu den bereits im Markt befindlichen Kaugummis gab. Es wurde „lediglich“ eine neue Packungsvariante hinzugefügt, die allerdings für viele Kunden zu einer deutlichen Verbesserung der Vorratshaltung (funktionale Nutzenstiftung) geführt hat (Abbildung 2). Weiterhin ist zu vermuten, dass durch diese an Pillendosen erinnernde Verpackung die (subjektive) Nutzenstiftung in Richtung „medizinische Zahnpflege für Zwischendurch“ deutlich verbessert werden konnte.

Produktdifferenzierung bei Wrigley’s Extra (2006): Übergang von flachen Einzelpackungen zu größeren Kunststoffdosen.
Ein grauer Pfeil zeigt die Entwicklung von links nach rechts:
Ebenfalls zur Produktdifferenzierung ist die Einführung einer neuen Geschmacksrichtung für die Marke „Wrigley’s Extra Professional“ bei den Zahnpflege-Kaugummis zu rechnen. Auch hier sind der Kernnutzen und die Produktleistung gleichgeblieben. Es wurde lediglich eine neue Geschmackssorte hinzugefügt. Dabei erkennt man allerdings die Absicht, dass mit der Einführung der neuen Geschmacksrichtung „Zitrone-Limette“ auch eine leichte Veränderung der Nutzenstiftung beabsichtigt ist (Abbildung 3). Mit der Auslobung „gibt Ihnen das Gefühl sauberer Zähne“ erweitert man den bisherigen funktionalen Nutzen „Zahnschutz“ durch die eher sozial-emotionale Nutzenstiftung „Gefühl von Sauberkeit“. Damit wird es mit großer Wahrscheinlichkeit gelingen, neue Zielgruppen für die Marke zu erschließen.

Produktdifferenzierung bei Wrigley’s Extra (2009): Einführung der Sorte ‚White Citrus‘ im Blister-Format.
Wieder zeigt ein grauer Pfeil die Sortimentserweiterung:
Schließlich hat die Firma Wrigley bei ihrer Marke „Wrigley’s Extra“ auch eine Produktmodifikation vorgenommen. So wurde das Lutschbonbon „Wrigley’s Extra Drops“ völlig umgestaltet. Aus dem Hartbonbon in den Geschmacksrichtungen Wild Mint, Lemon Mint und Wild Fruit wurde ein Hohl-Bonbon mit einer Xylit-Pulver-Füllung, die beim Lutschen der Bonbons langsam freigesetzt wird und einen angenehm frischen Geschmack entfaltet (Abbildung 4). Damit sollte die Produktleistung „Zahnpflege“ untermauert werden. Weiterhin sollte das besondere sensorische Produkterlebnis beim Lutschen eine stärkere Differenzierung gegenüber den bereits seit Langem etablierten Konkurrenzprodukten ermöglichen. Dieses Produkt wurde in den Geschmacksrichtungen Strong Mint, Cranberry Lime und Caramel Mint eingeführt. Bei der letzten Geschmacksrichtung stellte sich allerdings heraus, dass die Konsumenten in dem „Geschmacks-Code“ „Karamell“ einen Widerspruch zum Produktnutzen „Zahnpflege“ sehen. Da diese Geschmackssorte aus diesen Gründen die Umsatzerwartungen nicht erfüllte, wurde es aus dem Programm genommen (Produktelimination).

Produktmodifikation und -elimination (2008/2009): Relaunch der ‚Extra Drops‘ Pastillen mit neuem Verpackungsdesign und Sortenanpassung.
Der Prozess zeigt den Austausch alter Beutel- und Schachtelformate durch modernere Hochformat-Packungen:
Alle neuen Packungen tragen das Zahnsymbol für „Zahnpflege für zwischendurch“.
Würde die Firma Wrigley – rein hypothetisch – in Zukunft Produkte für den Zahncrememarkt, den Getränkemarkt oder den Markt für Mundwasser anbieten, so wären das Aktivitäten im Rahmen einer (horizontalen) Diversifikationsstrategie durch eine Produktinnovation, weil es sich dabei nicht mehr um den bisher bearbeiteten Süßwarenmarkt, sondern um völlig neue Märkte handeln würde.
Wie das Beispiel der Firma Wrigley zeigt, bedingen die programmpolitischen Handlungsalternativen immer auch markenpolitische Entscheidungen (vgl. dazu Kapitel 6.4.2).

Zusatzmaterial zu den einzeln Kapiteln:
3-2: Telekom-Werbung – Bedeutung von Spiegelneuronen für emotionale Reaktionen
3-4: Messung impliziter Einstellung mittels implizitem Assoziationstest (IAT)
3-6: Subjektive Wahrnehmung: Sind zwei Tische identisch oder nicht?
3-7: Das Auge isst mit: Die optische Wahrnehmung beeinflusst unser Hungergefühl
3-8: Febreze: Bedeutung habitualisierter Entscheidungen für das Marketing
4-2: Operationalisierung und Messung der Umweltorientierung von EU-Bürgern
4-4: Berechnung des Stichprobenfehlers bei der Zufallsauswahl
4-5: Screening-Fragebogen zur Realisierung einer vorab definierten Stichprobe
4-6: Konzeption eines Gesprächsleitfadens für eine qualitative Befragung
4-7: Beobachtung des individuellen Essverhaltens im „Restaurant der Zukunft“
4-8: Produktpositionierung: Positionierung einer Smartphone-Marke im Wettbewerbsumfeld
7-1: Kindle Fire – Beeinflussung der Wahrnehmung des Nettonutzens durch Werbung
7-2: Ermittlung des optimalen Stromtarifs mittels Choice-Based-Conjointanalyse
7-4: Beeinflussung der wahrgenommenen Preisgünstigkeit durch Umbrella Pricing
7-7: Hohe Attraktivität privater Finanzierungs- und Leasingangebote für Autos
8-1: Produktpositionierung: Code-Analyse des Markenauftritts zweier Sektmarken
8-12: Werbewirkungsanalyse digitaler Kommunikationsinstrumente
8-3: Die Macht der Megatrends und die Zukunft von Sicherheit und Qualität
8-4: Erfolgreiche und nicht erfolgreiche Social-Media-Kampagnen
8-5: Guerilla-Kommunikation: Nutzung eines Neonazi-Aufmarsches für eine gute Sache
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