Home | 7-2: Ermittlung des optimalen Stromtarifs mittels Choice-Based-Conjointanalyse
Marketing-Lehrbuch, Kapitel 7
Preispolitik → Ansatzpunkte zur Bestimmung des optimalen Angebotspreises → Nachfrageorientierte Festsetzung des Angebotspreises → Preis-Absatz-Funktion als wichtiges Grundmodell der klassischen Preistheorie
In einer Studie von Pabsch et al. (2000, S. 109 ff.) wurde die Bedeutung verschiedener Preisbestandteile für die Wahl des Stromtarifs eines regionalen Stromversorgers mittels „Choice-Based“-Conjointanalyse (CBC) empirisch ermittelt (vgl. hierzu auch Kapitel 4.4.3.2). Abbildung 1 gibt einen Überblick über die in der Untersuchung berücksichtigten Merkmale und Merkmalsausprägungen.

Diese Tabelle zeigt fünf verschiedene Merkmale von Stromtarifen in jeweils sechs Ausprägungen.
Die Tabelle ist in Spalten für die verschiedenen Merkmale und Zeilen für die Ausprägungen (1 bis 6) unterteilt:
In der Befragungssituation wurden die Merkmalsausprägungen systematisch zu ganzheitlichen Produktkonzepten kombiniert, die den Testpersonen zur Beurteilung vorgelegt wurden (vgl. Abbildung 2). Die Befragten wurden nacheinander mit mehreren Auswahlsituationen konfrontiert und hatten jeweils die Aufgabe, den von ihnen präferierten Stromtarif anzugeben. Es bestand aber auch die Möglichkeit, keinen Tarif zu wählen, falls beide Alternativen einer Auswahlsituation als nicht akzeptabel eingestuft wurden. Diese Gegenüberstellung hilft Nutzern die Trade-offs zwischen den Tarifen (z. B. niedrigerer Grundpreis bei Tarif 1 vs. niedrigerer Arbeitspreis bei Tarif 2) nachzuvollziehen.

Dieses Bild stellt eine klassische Entscheidungssituation (Choice Set) dar, wie sie Probanden während einer Choice-Based-Conjointanalyse vorgelegt wird.
Darstellung einer Auswahlsituation aus einem Fragebogen mit zwei verschiedenen Stromtarifen und einer Nicht-Wahl-Option zur direkten Gegenüberstellung:
Aufbau und Anweisung:
Das Bild zeigt am oberen Rand die Frage: „Welchen Stromtarif würden Sie wählen? Bitte klicken Sie das entsprechende Feld an!“. Darunter befindet sich eine Tabelle mit drei Auswahlmöglichkeiten.
Die drei Auswahloptionen im Detail:
Interaktion: Unter jeder der drei Spalten befindet sich eine hellgelbe Schaltfläche zum Anklicken der bevorzugten Option.
Um eine Marktsimulation durchführen zu können, wurde die Annahme getroffen, dass die Stromkunden zwischen drei verschiedenen Stromtarifen wählen können. Die Wahlanteile für diese drei Tarife wurden dann mittels Conjointanalyse berechnet. Abbildung 3 veranschaulicht das Ergebnis dieser Marktsimulation.

Gegenüberstellung von drei Stromtarifen (A, B, C) mit deren Wahlanteilen sowie ein Liniendiagramm zu den Teilpräferenzwerten des Verbrauchspreises:
Obere linke Hälfte: Definition der Tarife
Drei Tarifoptionen werden mit ihren spezifischen Merkmalen aufgeführt:
Obere rechte Hälfte: Tortendiagramm (Wahlanteile)
Das Diagramm zeigt die prozentuale Verteilung der Entscheidungen:
Untere Hälfte: Liniendiagramm
Das Diagramm visualisiert, wie die Wahlwahrscheinlichkeit von Tarif A sinkt, wenn der Verbrauchspreis pro kWh steigt:
0,25 €: 19,3 %
0,09 €: 51,3 %
0,12 €: 47,5 %
0,15 €: 43,1 %
0,19 €: 39,7 %
0,22 €: 22,5 % (starker Abfall)
Den am stärksten präferierten Tarif A würden 51,3 Prozent der Befragten wählen, die Tarife B (29,6 Prozent) und C (19,1 Prozent) schneiden deutlich schlechter ab. Der Tarif A weist mit 0,09 € pro kWh den geringsten Verbrauchspreis auf. In welchem Maße dieser Tarif Wahlanteile verliert, wenn der Verbrauchspreis schrittweise erhöht wird, lässt sich ebenfalls berechnen. Das Ergebnis veranschaulicht die Grafik im unteren Teil von Abbildung 3. Wird der Verbrauchspreis für Tarif A beispielsweise von 0,09 € auf 0,12 € erhöht (die Tarife B und C bleiben unverändert), reduziert sich der Anteil der Befragten, die diesen Tarif wählen würden, um 3,8 Prozent, nämlich von 51,3 auf 47,5 Prozent.

Zusatzmaterial zu den einzeln Kapiteln:
3-2: Telekom-Werbung – Bedeutung von Spiegelneuronen für emotionale Reaktionen
3-4: Messung impliziter Einstellung mittels implizitem Assoziationstest (IAT)
3-6: Subjektive Wahrnehmung: Sind zwei Tische identisch oder nicht?
3-7: Das Auge isst mit: Die optische Wahrnehmung beeinflusst unser Hungergefühl
3-8: Febreze: Bedeutung habitualisierter Entscheidungen für das Marketing
4-2: Operationalisierung und Messung der Umweltorientierung von EU-Bürgern
4-4: Berechnung des Stichprobenfehlers bei der Zufallsauswahl
4-5: Screening-Fragebogen zur Realisierung einer vorab definierten Stichprobe
4-6: Konzeption eines Gesprächsleitfadens für eine qualitative Befragung
4-7: Beobachtung des individuellen Essverhaltens im „Restaurant der Zukunft“
4-8: Produktpositionierung: Positionierung einer Smartphone-Marke im Wettbewerbsumfeld
7-1: Kindle Fire – Beeinflussung der Wahrnehmung des Nettonutzens durch Werbung
7-2: Ermittlung des optimalen Stromtarifs mittels Choice-Based-Conjointanalyse
7-4: Beeinflussung der wahrgenommenen Preisgünstigkeit durch Umbrella Pricing
7-7: Hohe Attraktivität privater Finanzierungs- und Leasingangebote für Autos
8-1: Produktpositionierung: Code-Analyse des Markenauftritts zweier Sektmarken
8-12: Werbewirkungsanalyse digitaler Kommunikationsinstrumente
8-3: Die Macht der Megatrends und die Zukunft von Sicherheit und Qualität
8-4: Erfolgreiche und nicht erfolgreiche Social-Media-Kampagnen
8-5: Guerilla-Kommunikation: Nutzung eines Neonazi-Aufmarsches für eine gute Sache
Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von YouTube. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Mehr Informationen
Studien-Service-Zentrum
+49 3631 420-222
Haus 18, Ebene 1, Raum 18.0105