Home | 3-9: Emotionale Konditionierung mit Duft
Marketing-Lehrbuch, Kapitel 3
Konsumentenverhalten → Psychische Prozesse → Kognitive Prozesse → Prozess der Informationsspeicherung – Lernen → Emotionale Konditionierung (Kapitel 3.4.2.4)
Zu den externen Reizen, die Emotionen auslösen können, zählen unter anderem Düfte, deren Reizverarbeitung anatomisch besonders eng mit emotionalen Hirnarealen verbunden ist.
Duftreize sind die einzigen Reize, die den so genannten Mandelkern erreichen, ohne zuvor den Thalamus, den größten Teil des Zwischenhirns, zu passieren. Die Aufgabe des Thalamus ist es, die übrigen Sinnesreize nach ihrer Wichtigkeit zu filtern und auf sinnesspezifische (z.B. Sehzentrum) sowie unspezifische Areale (z.B. Aufmerksamkeit) zu verteilen. Beim Mandelkern handelt es sich um ein Areal, das besonders stark auf persönlich bedeutsame oder auch potenziell gefährliche Reize reagiert. Der Mandelkern ist Hauptauslöser von Emotionen und unmittelbar an der emotionalen Konditionierung beteiligt. Daraus lässt sich ableiten, dass Duftreize stärker an emotionalen Prozessen beteiligt sind als die übrigen Sinnesreize und dass sie extrem emotionale, persönliche Erinnerungen aktivieren können.
Düfte lösen jedoch nicht automatisch bestimmte Emotionen aus, sondern erst, nachdem sie in einem emotionalen Kontext gelernt wurden. Kleinkinder haben keine ausgeprägten Duftpräferenzen. Selbst auf Düfte, die Erwachsene eindeutig als angenehm oder unangenehm erleben, reagieren sie kaum. Nehmen sie jedoch den Duft von Babypuder wahr, während sich ihre Mutter liebevoll um sie kümmert, so wird der zuvor neutrale Pflegeduft mit positiven Emotionen aufgeladen und fortan mit Zuneigung assoziiert. Durch diese emotionale Konditionierung kann eine lebenslange Präferenz für diesen Duft entstehen, denn bei erneuter Wahrnehmung kann der Duft die ursprünglichen Emotionen reaktivieren. Damit steigt auch die Wahrscheinlichkeit, dass Eltern ihre Kinder mit den Markenprodukten pflegen, mit denen sie selbst als Kinder gepflegt wurden. Neuwagengerüche sind ein weiteres typisches Beispiel für diese Art der Konditionierung. Im Blindtest werden sie als eher unangenehm und chemisch erlebt. Erst die Information, dass es sich um einen Neuwagengeruch handelt, führt zu einer signifikant positiveren Beurteilung. Diese Information stellt den Geruch nämlich in einen anderen, angenehmen Kontext und aktiviert die mit dem Geruch assoziierten positiven Emotionen (Freude und Stolz eines Neuwagenbesitzers). Dieses natürliche Prinzip der emotionalen Konditionierung bietet eine ganze Reihe von Anknüpfungspunkten im Marketing. Um von affektiven Duftwirkungen zu profitieren, werden beispielsweise Handelsmarken mit einem Duft auf den Markt gebracht, der dem des Marktführers ähnelt. Oder der Hersteller einer Babypflegeserie vermarktet Pflegeprodukte für Erwachsene und verwendet für die neue Produktlinie Düfte, die an das Babypflegeprodukt und an die damit verbundenen Gefühle erinnern. Auch in Geschäften können angenehme Düfte freigesetzt werden, um auf die Emotionen der Kunden positiv einzuwirken. Je angenehmer ein Duft beurteilt wird, desto intensiver sind auch die Emotionen, die durch den Duft ausgelöst werden, denn jeder Duft, den die Konsumenten als besonders positiv empfinden, wurde zuvor im Kontext eines besonders angenehmen Erlebnisses gelernt und kann diese ursprünglichen Emotionen wieder reaktivieren (vgl. hierzu Hehn, 2007; Hehn/Scharf, 2012; ferner Herz et al., 2004, S. 371).

Zusatzmaterial zu den einzeln Kapiteln:
3-2: Telekom-Werbung – Bedeutung von Spiegelneuronen für emotionale Reaktionen
3-4: Messung impliziter Einstellung mittels implizitem Assoziationstest (IAT)
3-6: Subjektive Wahrnehmung: Sind zwei Tische identisch oder nicht?
3-7: Das Auge isst mit: Die optische Wahrnehmung beeinflusst unser Hungergefühl
3-8: Febreze: Bedeutung habitualisierter Entscheidungen für das Marketing
4-2: Operationalisierung und Messung der Umweltorientierung von EU-Bürgern
4-4: Berechnung des Stichprobenfehlers bei der Zufallsauswahl
4-5: Screening-Fragebogen zur Realisierung einer vorab definierten Stichprobe
4-6: Konzeption eines Gesprächsleitfadens für eine qualitative Befragung
4-7: Beobachtung des individuellen Essverhaltens im „Restaurant der Zukunft“
4-8: Produktpositionierung: Positionierung einer Smartphone-Marke im Wettbewerbsumfeld
7-1: Kindle Fire – Beeinflussung der Wahrnehmung des Nettonutzens durch Werbung
7-2: Ermittlung des optimalen Stromtarifs mittels Choice-Based-Conjointanalyse
7-4: Beeinflussung der wahrgenommenen Preisgünstigkeit durch Umbrella Pricing
7-7: Hohe Attraktivität privater Finanzierungs- und Leasingangebote für Autos
8-1: Produktpositionierung: Code-Analyse des Markenauftritts zweier Sektmarken
8-12: Werbewirkungsanalyse digitaler Kommunikationsinstrumente
8-3: Die Macht der Megatrends und die Zukunft von Sicherheit und Qualität
8-4: Erfolgreiche und nicht erfolgreiche Social-Media-Kampagnen
8-5: Guerilla-Kommunikation: Nutzung eines Neonazi-Aufmarsches für eine gute Sache
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