Home | 7-4: Beeinflussung der wahrgenommenen Preisgünstigkeit durch Umbrella Pricing
Marketing-Lehrbuch, Kapitel 7
Preispolitik → Ansatzpunkte zur Bestimmung des optimalen Angebotspreises → Nachfrageorientierte Festsetzung des Angebotspreises → Verhaltenswissenschaftliche Modelle der Preistheorie → Preisgünstigkeit (Kapitel 7.2.2.2)
Um Geld zu sparen, greifen viele Kunden im Supermarkt lieber zu Handelsmarken als zu den teureren Herstellermarken. Aufgrund eines einfachen Tricks des Einzelhandels zahlen sie jedoch häufig mehr, als sie glauben.
Insbesondere bei den so genannten Fast Moving Consumer Goods, also bei Lebensmitteln, Körperpflegeprodukten sowie Wasch- und Reinigungsmitteln, können Konsumenten im Einzelhandel zwischen zahlreichen Alternativen wählen, wobei zwischen den klassischen Herstellermarken und den Eigenmarken des Handels mehr oder weniger große Preisunterschiede bestehen.
Die Beurteilung der Preisgünstigkeit (Preis im Vergleich zum Preis der Konkurrenzprodukte) umfasst alle Prozesse der Aufnahme und Verarbeitung von Preisinformationen der verfügbaren Angebote. Da die Käufer einer bestimmten Produktart häufig die absolute Preisgünstigkeit der verfügbaren Alternative nicht beurteilen können, versuchen sie sich an der relativen Preisgünstigkeit, das heißt an den Preisabständen zwischen den Angeboten, zu orientieren. Exakt diesen Beurteilungsprozess nutzen die Händler zu ihren Gunsten aus, wie folgendes Beispiel zeigt:
Im Tiefkühlregal eines Supermarktes wird unter anderem dessen Eigenmarke „TiP – Edelpizza Salami“ zu einem Preis von 2,49 € für drei Pizzas à 350 g angeboten. Daneben liegt die Herstellmarke „Dr. Oetker – Die Ofenfrische Salami“ für 2,69 € für eine Pizza à 390 g. Die verschiedenen Preise spannen sich wie ein Schirm („umbrella“) über die Salami-Pizza-Angebote im Tiefkühlregal. Der Preisunterschied ist erheblich, da der Preis für die Handelsmarke TiP pro Kilogramm nur 2,40 € beträgt, während die Kunden für die Herstellmarke pro Kilogramm 6,90 € bezahlen müssen. Dann wird der Preis für beide Produkte um 30 Cent erhöht. Die Handelsmarke kostet jetzt 2,79 € und die Herstellermarke 2,99 €. Der Preisabstand bleibt also identisch, nur beide Produkte sind jetzt teurer. Das bedeutet, dass der Preisschirm einfach nach oben verschoben wird. Viele Kunden, die zur Handelsmarke TiP greifen, um Geld zu sparen, bemerken diese subtile Preiserhöhung von 12 Prozent jedoch nicht, weil sie sich an der relativen Preisgünstigkeit der Handelsmarke TiP orientieren.

Zusatzmaterial zu den einzeln Kapiteln:
3-2: Telekom-Werbung – Bedeutung von Spiegelneuronen für emotionale Reaktionen
3-4: Messung impliziter Einstellung mittels implizitem Assoziationstest (IAT)
3-6: Subjektive Wahrnehmung: Sind zwei Tische identisch oder nicht?
3-7: Das Auge isst mit: Die optische Wahrnehmung beeinflusst unser Hungergefühl
3-8: Febreze: Bedeutung habitualisierter Entscheidungen für das Marketing
4-2: Operationalisierung und Messung der Umweltorientierung von EU-Bürgern
4-4: Berechnung des Stichprobenfehlers bei der Zufallsauswahl
4-5: Screening-Fragebogen zur Realisierung einer vorab definierten Stichprobe
4-6: Konzeption eines Gesprächsleitfadens für eine qualitative Befragung
4-7: Beobachtung des individuellen Essverhaltens im „Restaurant der Zukunft“
4-8: Produktpositionierung: Positionierung einer Smartphone-Marke im Wettbewerbsumfeld
7-1: Kindle Fire – Beeinflussung der Wahrnehmung des Nettonutzens durch Werbung
7-2: Ermittlung des optimalen Stromtarifs mittels Choice-Based-Conjointanalyse
7-4: Beeinflussung der wahrgenommenen Preisgünstigkeit durch Umbrella Pricing
7-7: Hohe Attraktivität privater Finanzierungs- und Leasingangebote für Autos
8-1: Produktpositionierung: Code-Analyse des Markenauftritts zweier Sektmarken
8-12: Werbewirkungsanalyse digitaler Kommunikationsinstrumente
8-3: Die Macht der Megatrends und die Zukunft von Sicherheit und Qualität
8-4: Erfolgreiche und nicht erfolgreiche Social-Media-Kampagnen
8-5: Guerilla-Kommunikation: Nutzung eines Neonazi-Aufmarsches für eine gute Sache
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