Marketing-Lehrbuch, Kapitel 9

Distributionspolitik Distributionspolitik → Physische Distribution → Komponenten und Bedeutung des Lieferservices → Lieferzeit (Kapitel (9.3.2)

DHL erprobte die Lieferung eiliger Arzneimittel an entlegene Orte per Paket-Drohne.

Logistikunternehmen und Internet-Konzerne wie Google und Amazon entwickeln und erproben den Einsatz von Drohnen in der Paketzustellung. Sogar Pizza-Bringdienste zeigen Interesse, unbemannte Luftfahrzeuge für die Auslieferung von Bestellungen einzusetzen. Die Unternehmen versuchen mit neuen Technologien den Logistikbereich deutlich effizienter zu organisieren, die Lieferzeit massiv zu verkürzen und dadurch den Kundennutzen zu steigern. In Ballungsgebieten sind neben technischen Herausforderungen auch ganz praktische Probleme zu lösen, z.B. in der öffentlichen Überwachung des automatisierten Luftverkehrs, der Diebstahlsicherung, der Wirtschaftlichkeit oder der Absturzrisiken.

Der Logistikkonzern DHL hat sich daher auf entlegene Gebiete konzentriert, um in Pilotprojekten den Einsatz von Paket-Drohnen zu erproben. Dazu kooperierte DHL mit der für die Entwicklung zuständigen RWTH Aachen sowie der Nordseeinsel Juist, auf der der „Paketkopter“ die Notfallversorgung der Inselapotheke mit eiligen Arzneimitteln sicherstellte. Der Drohnen-Einsatz hatte den Vorteil, dass die Arzneimittellieferung unabhängig vom Schiffsverkehr praktisch jederzeit und auch unter widrigen Wetterbedingungen wie dichtem Nebel oder Dunkelheit GPS-gesteuert in kurzer Zeit die Distanz von 12 km zwischen Festland und Insel vollautomatisch überbrückt. Allerdings musste DHL jeden Drohnenflug nach Juist einzeln anmelden, sodass das Projekt wegen regulatorischer Anforderungen und aus Kostengründen wieder eingestellt wurde.

Das letzte Pilotprojekt wurde 2018 unter dem Namen „Deliver Future“ mit der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit und dem Drohnenproduzenten Wingcopter in Tansania durchgeführt. Die selbstständig fliegende Drohne versorgte über festgelegte Routen die Klinik einer Insel im Viktoriasee vom Festland aus mit Medikamenten und nahm auf dem Rückweg beispielsweise Blutproben mit – und das binnen 45 Minuten auf einer Strecke, die per Auto oder Boot bis zu sechs Stunden dauern kann.

Bildbeschreibung

Bilderserie zum Pilotprojekt ‚DHL Paketkopter‘: Dokumentation der autonomen Medikamentenlieferung per Drohne vom Festland zur Insel Juist.

Die Collage zeigt den Ablauf der Drohnen-Logistik in chronologischen Schritten:

  1. Titelbild (oben links): Ein dunkler Hintergrund mit der Silhouette einer Drohne und dem weißen Text: „Pilotversuch DHL Paketkopter Medikamentenversorgung Insel Juist“.
  2. Startvorbereitung (oben rechts): Eine gelbe DHL-Drohne mit vier Rotoren steht auf einer gelben Landematte. Im Hintergrund ist eine Person zu sehen, die ein Paket trägt.
  3. Flug über das Wattenmeer (Mitte links): Eine Luftaufnahme zeigt die kleine Silhouette der Drohne während des Fluges über das weite, graublaue Wattenmeer.
  4. Beladung/Entnahme (Mitte rechts): Ein Mitarbeiter in gelb-schwarzer DHL-Kleidung kniet neben der Drohne und verstaut oder entnimmt ein gelbes Paket aus dem Transportbehälter der Drohne.
  5. Weiterverteilung auf der Insel (unten links): Ein Postzusteller steht mit einem gelben E-Bike (Lastenrad) vor der „Seehund-Apotheke“ auf Juist. Der große gelbe Transportkasten des Rades ist geöffnet.
  6. Übergabe in der Apotheke (unten rechts): Innenansicht der Apotheke. Der DHL-Mitarbeiter übergibt das gelbe Paket direkt am Tresen an den Apotheker.

Quellen:

Gelbes Buchcover mit dem Titel „MARKETING – Einführung in Theorie und Praxis“ in weißen und blauen Buchstaben. Unten sind zwei bunte, stilisierte Hände abgebildet, die gemeinsam ein Herz formen. Autor:innen: Andreas Scharf, Bernd Schubert, Patrick Hehn und Stephanie Glassl. Verlag: Schäffer-Poeschel.
Marketing-Lehrbuch,
8. Auflage