Home | 9-1: Ausweitung des Multichannel-Vertriebs in der Musikindustrie
Marketing-Lehrbuch, Kapitel 9
Distributionspolitik → Akquisitorische Distribution → Organe des direkten Distributionsweges → Gestaltung der Distributionswege (Kapitel 9.2.1)
Digitale Musikformate, wie mp3 und Streaming, haben die Musiknutzung verändert, sodass die Musikindustrie ihre Vertriebskanäle online erweitern musste, um den Umsatzrückgang bei klassischen Tonträgern aufzufangen.
Dass die Entscheidung für eine Ausweitung des differenzierten Multichannel-Vertriebs auch durch technologische Umweltbedingungen (vgl. Kapitel 2.2) notwendig werden kann, zeigt das Beispiel der Musikindustrie. Mit der Verbreitung des Audiodateiformats mp3 Ende der 1990er-Jahre begann sich das Musiknutzungsverhalten zu ändern. Während Musik bis dahin vor allem über physische Medien gehört wurde (z.B. Musikkassetten, CDs, Schallplatten), konnten durch das mp3-Kompressionsformat fortan Musikdateien hoher Qualität und mit geringem Speicherplatzbedarf ohne klassischen Tonträger gehört und getauscht werden. Betrug das Umsatzmaximum der deutschen Musikindustrie 1997 allein mit CDs 2,3 Milliarden Euro, so ist der CD-Umsatz mit dem Start illegaler Musiktauschbörsen im Internet und der steigenden Penetration von CD-Brennern und Internetzugängen Anfang der 2000er-Jahre kontinuierlich zurückgegangen. Erst widerwillig versuchte die Musikindustrie durch Kooperation mit neuen Onlinevertriebswegen (Musicload, iTunes Store seit 2003/2004), die wegbrechenden Umsätze aufzufangen. Parallel zur juristischen Bekämpfung der Musikpiraterie wurde damit auch ein legaler Kanal zum Erwerb des digitalen Musikangebots geschaffen. 2024 wurden mit CDs in Deutschland gerade noch 210 Millionen Euro umgesetzt, während die Umsätze im Digitalgeschäft (Downloads, Streaming-Dienste wie Spotify) auf über 1,8 Milliarden Euro stiegen, wovon dank Breitband-Internetzugängen 93 Prozent auf Audio-Streaming entfielen (Drücke et al., 2025, S. 9; Tschmuck, 2021, S. 191 ff.). Technologische Entwicklungen veränderten also das Verwendungsverhalten der Verbraucher und machten den Digitalvertrieb und damit eine weitere Differenzierung der Mehrkanaldistribution notwendig, um mehr Umsatz zu generieren (Arditi, 2020, S. 23).

Diese komplexe Infografik zeigt den Wandel der Musikformate über vier Jahrzehnte hinweg. Dargestellt als gestapeltes Flächendiagramm zeigt sie die Umsatzentwicklung der deutschen Musikindustrie (1984–2024) und damit die Visualisierung des Übergangs von analogen Formaten wie Vinyl und MC über die CD-Ära bis hin zur Dominanz von Streaming und digitalen Medien im Jahr 2024.
Die Grafik verdeutlicht den massiven Strukturwandel der Branche durch farblich abgegrenzte Flächen für die verschiedenen Tonträgerformate:
Meilensteine auf der Zeitachse: In die Grafik sind wichtige Ereignisse eingebettet, wie der Mauerfall (1989), der Start von Napster als Tauschbörse (1999), der Start von iTunes (2004), die erste iPhone-Generation (2007) und der Start von Spotify in Deutschland (2012). 2018 markiert das Jahr, in dem Audio-Streaming erstmals zum umsatzstärksten Format wurde.
Zentrale Kennzahlen 2024:
Umsatz Streaming & Digital Sonstiges: 1,96 Mrd. €.
Historische Phasen und Formate:
Streaming & Digital Sonstiges (Pink): Diese Fläche wächst ab ca. 2012 massiv an und macht im Jahr 2024 den Löwenanteil des Gesamtumsatzes aus.

Zusatzmaterial zu den einzeln Kapiteln:
3-2: Telekom-Werbung – Bedeutung von Spiegelneuronen für emotionale Reaktionen
3-4: Messung impliziter Einstellung mittels implizitem Assoziationstest (IAT)
3-6: Subjektive Wahrnehmung: Sind zwei Tische identisch oder nicht?
3-7: Das Auge isst mit: Die optische Wahrnehmung beeinflusst unser Hungergefühl
3-8: Febreze: Bedeutung habitualisierter Entscheidungen für das Marketing
4-2: Operationalisierung und Messung der Umweltorientierung von EU-Bürgern
4-4: Berechnung des Stichprobenfehlers bei der Zufallsauswahl
4-5: Screening-Fragebogen zur Realisierung einer vorab definierten Stichprobe
4-6: Konzeption eines Gesprächsleitfadens für eine qualitative Befragung
4-7: Beobachtung des individuellen Essverhaltens im „Restaurant der Zukunft“
4-8: Produktpositionierung: Positionierung einer Smartphone-Marke im Wettbewerbsumfeld
7-1: Kindle Fire – Beeinflussung der Wahrnehmung des Nettonutzens durch Werbung
7-2: Ermittlung des optimalen Stromtarifs mittels Choice-Based-Conjointanalyse
7-4: Beeinflussung der wahrgenommenen Preisgünstigkeit durch Umbrella Pricing
7-7: Hohe Attraktivität privater Finanzierungs- und Leasingangebote für Autos
8-1: Produktpositionierung: Code-Analyse des Markenauftritts zweier Sektmarken
8-12: Werbewirkungsanalyse digitaler Kommunikationsinstrumente
8-3: Die Macht der Megatrends und die Zukunft von Sicherheit und Qualität
8-4: Erfolgreiche und nicht erfolgreiche Social-Media-Kampagnen
8-5: Guerilla-Kommunikation: Nutzung eines Neonazi-Aufmarsches für eine gute Sache
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