Home | 4-9: Überprüfung der Präferenzwirkung von Smoothie-Eigenschaften mittels „Choice-Based“-Conjointanalyse
Marketing-Lehrbuch, Kapitel 4
Marktforschung → Datenanalyse → Multivariate Verfahren der Dependenzanalyse → Conjointanalyse (Kapitel 4.4.3.2)
Mit dem Einsatz der Conjoint-Analyse in der Marktforschungspraxis sind folgende Probleme verbunden: Viele Merkmale und deren Ausprägungen erhöhen zwar die Realitätsnähe der Beurteilungssituation, führen aber schnell zu einer kognitiven Überlastung der Befragten. Außerdem entspricht die Beurteilungsaufgabe (Ranking, Rating oder Paarvergleich) nicht dem tatsächlichen Entscheidungsprozess der Konsumenten am Point of Sale.
Diese Nachteile der klassischen Conjoint-Analyse haben zur Entwicklung neuerer Ansätze geführt, von denen die sogenannte „Choice-Based“-Conjoint-Analyse (CBC) die größte empirische Relevanz aufweist. Nahezu die Hälfte aller im deutschsprachigen Raum durchgeführten Präferenzmessungen erfolgen mittels dieses Verfahrens (Völckner et al., 2008, S. 689). Die Besonderheit der „Choice-Based“-Conjoint-Analyse besteht darin, dass die Auskunftspersonen diskrete Wahlentscheidungen treffen müssen, das heißt, es ist jeweils eine Alternative aus einem Alternativen-Set auszuwählen. Es besteht jedoch auch die realitätsnahe Möglichkeit, keinen der präsentierten Stimuli zu wählen. Theoretische Grundlage der „Choice-Based“-Conjoint-Analyse ist die so genannte Zufallsnutzentheorie (vgl. McFadden, 1974, S. 105 ff.). Die Vorgehensweise lässt sich anhand des folgenden Beispiels veranschaulichen:
Mithilfe eines Online-Konzepttests sollte die Präferenzwirkung verschiedener Eigenschaften von „Smoothies“ überprüft werden. Bei Smoothies handelt es sich um Ganzfruchtgetränke, die einen Teilmarkt bei Fruchtsäften bilden. Beantwortet werden sollten folgende Fragen: Welchen Einfluss üben verschiedene Ausstattungsmerkmale von Smoothies auf die Kaufentscheidung der Konsumenten aus? Welche Ausprägungen der Merkmale werden von der Zielgruppe besonders präferiert? Befragt wurden 300 Personen, die angaben, bereits Smoothies gekauft zu haben. Die zu untersuchenden Merkmale und deren Ausprägungen sind in Abbildung 1 dargestellt.

Die Untersuchung basiert auf den folgenden vier Merkmalsgruppen:
Mithilfe eines geeigneten Einführungsszenarios wurden die Befragten in eine realitätsnahe Entscheidungssituation versetzt und anschließend nacheinander mit 12 Einkaufssituationen mit jeweils drei Smoothie-Produkten konfrontiert. Jeder Stimulus bestand aus systematisch kombinierten Ausprägungen der vier zu überprüfenden Merkmale. Die Beurteilungsaufgabe der Befragten bestand lediglich darin anzugeben, welches der drei gezeigten Produkte sie wählen würden. Die Option „Ich würde keines der gezeigten Produkte kaufen“ konnte angeklickt werden, wenn keine der gezeigten Alternativen als akzeptabel eingeschätzt wurde. Abbildung 2 zeigt beispielhaft eine der Auswahlsituationen.

Beispiel für eine Auswahlsituation (Choice Set) mit drei Smoothie-Angeboten der Marken Schwartau, Viva Vital und true fruits sowie einer ‚None‘-Option.
Über der Auswahl steht die Frage: „Welches dieser Produkte würden Sie kaufen?“. Zur Wahl stehen drei Varianten, die jeweils 200 ml enthalten:
Die relativen Wichtigkeiten der Ausstattungsmerkmale für die Wahlentscheidungen der Auskunftspersonen sind auf der linken Seite von Abbildung 3 dargestellt. Der „Preis“ hat die größte Bedeutung mit einer relativen Wichtigkeit von mehr als 50 Prozent, während die Produktauslobung, das heißt der verbale „Claim“, für die Entscheidung eher eine untergeordnete Rolle spielt.
Die Teilpräferenzwerte der Merkmalsausprägungen geben Aufschluss darüber, welche Ausprägung eines Merkmals die Befragten besonders bevorzugen. Auf der rechten Seite von Abbildung 3 sind als Beispiel die Teilpräferenzwerte für das Merkmal „Verpackung“ dargestellt. Die Befragten bevorzugen eindeutig die Plastikflasche in der geschwungenen Variante, während der Tetrapack die geringste Präferenzwirkung aufweist.

Linke Grafik: Relative Wichtigkeit der Merkmale (Kreisdiagramm) Das Diagramm zeigt, wie stark die einzelnen Merkmale die Kaufentscheidung beeinflussen:
Rechte Grafik: Teilpräferenzwerte (dimensionslos) für das Merkmal „Verpackung“ (Balkendiagramm) Die Balken zeigen den Präferenzwert der verschiedenen Verpackungsformen, wobei die Merkmalsausprägung mit der geringste Präferenz null gesetzt wird:
Die relativen Wichtigkeiten der Ausstattungsmerkmale für die Wahlentscheidungen der Auskunftspersonen sind auf der linken Seite von Abbildung 3 dargestellt. Der „Preis“ hat die größte Bedeutung mit einer relativen Wichtigkeit von mehr als 50 Prozent, während die Produktauslobung, das heißt der verbale „Claim“, für die Entscheidung eher eine untergeordnete Rolle spielt.
Die Teilpräferenzwerte der Merkmalsausprägungen geben Aufschluss darüber, welche Ausprägung eines Merkmals die Befragten besonders bevorzugen. Auf der rechten Seite von Abbildung 3 sind als Beispiel die Teilpräferenzwerte für das Merkmal „Verpackung“ dargestellt. Die Befragten bevorzugen eindeutig die Plastikflasche in der geschwungenen Variante, während der Tetrapack die geringste Präferenzwirkung aufweist.

Zusatzmaterial zu den einzeln Kapiteln:
3-2: Telekom-Werbung – Bedeutung von Spiegelneuronen für emotionale Reaktionen
3-4: Messung impliziter Einstellung mittels implizitem Assoziationstest (IAT)
3-6: Subjektive Wahrnehmung: Sind zwei Tische identisch oder nicht?
3-7: Das Auge isst mit: Die optische Wahrnehmung beeinflusst unser Hungergefühl
3-8: Febreze: Bedeutung habitualisierter Entscheidungen für das Marketing
4-2: Operationalisierung und Messung der Umweltorientierung von EU-Bürgern
4-4: Berechnung des Stichprobenfehlers bei der Zufallsauswahl
4-5: Screening-Fragebogen zur Realisierung einer vorab definierten Stichprobe
4-6: Konzeption eines Gesprächsleitfadens für eine qualitative Befragung
4-7: Beobachtung des individuellen Essverhaltens im „Restaurant der Zukunft“
4-8: Produktpositionierung: Positionierung einer Smartphone-Marke im Wettbewerbsumfeld
7-1: Kindle Fire – Beeinflussung der Wahrnehmung des Nettonutzens durch Werbung
7-2: Ermittlung des optimalen Stromtarifs mittels Choice-Based-Conjointanalyse
7-4: Beeinflussung der wahrgenommenen Preisgünstigkeit durch Umbrella Pricing
7-7: Hohe Attraktivität privater Finanzierungs- und Leasingangebote für Autos
8-1: Produktpositionierung: Code-Analyse des Markenauftritts zweier Sektmarken
8-12: Werbewirkungsanalyse digitaler Kommunikationsinstrumente
8-3: Die Macht der Megatrends und die Zukunft von Sicherheit und Qualität
8-4: Erfolgreiche und nicht erfolgreiche Social-Media-Kampagnen
8-5: Guerilla-Kommunikation: Nutzung eines Neonazi-Aufmarsches für eine gute Sache
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