Home | 4-7: Beobachtung des individuellen Essverhaltens im „Restaurant der Zukunft“
Marketing-Lehrbuch, Kapitel 4
An der holländischen Universität Wageningen gingen von 2007 bis 2018 Wissenschaftler mit ausgeklügelten Beobachtungsmethoden und unterstützt durch digitale Technik dem Essverhalten des Menschen auf den Grund.
Das Schnellrestaurant war auf den ersten Blick eine ganz normale Kantine. Doch wer hier zu Mittag aß, wurde dabei ununterbrochen beobachtet. Ganz unauffällig filmten 20 Kameras an der Decke jeden Bissen, jeden Schluck. „Restaurant der Zukunft“ heißt dieses ungewöhnliche Forschungsprojekt, mit dem ein Team aus Ernährungswissenschaftlern und Psychologen das normale Essverhalten des Menschen ganz genau untersuchte.
Eine ausgeklügelte Technik sorgte dafür, dass alle relevanten Umweltfaktoren von den Forschern beeinflusst werden konnten. Per Knopfdruck ließen sich beispielsweise unterschiedliche Lichtstimmungen herstellen. Ob warmes Rot, kühles Blau oder frisches Grün – die Wissenschaftler bestimmten den Farbcharakter des Restaurants. Beobachtungen der Restaurantbesucher lieferten Hinweise darauf, dass die Gäste bei rotem Licht schneller und auch weniger aßen als bei blauer Stimmung. Auch die Preise der Gerichte veränderten sich. Zwar minimal, aber kontinuierlich. Man wollte wissen: Welche Rolle spielt der Preis bei der Entscheidung für oder gegen ein gesundes Essen?
Mit diesem Forschungsprojekt wurde das Essverhalten von Menschen zum ersten Mal systematisch analysiert. Jeder der freiwilligen Testesser ließ bei jedem Besuch seine individuelle Essensauswahl registrieren. Auch das Gewicht der Probanden wurde bei jedem Besuch gemessen. Denn beim Bezahlen trat der Gast – ohne dass er es bewusst wahrnahm – auf eine Waage. Mittels Kameras entging den Forschern auch während des Essvorgangs nichts, jede Hand- und Mundbewegung wurde registriert. Auf diese Weise entstand ein extrem umfangreicher Datenbestand über das individuelle Essverhalten. Die Forscher wollten aber nicht nur wissen, was und wie der Mensch isst, sondern auch, wie ihm das Essen schmeckt. Auch hier kam moderne Technik zum Einsatz: Ein so genannter Gesichtsscanner hatte das Gesicht des Essenden vermessen. Aus den Bewegungen der Gesichtsmuskulatur ließ sich nun ableiten, ob ihm das Essen schmeckte oder nicht.

Diese Abbildung zeigt eine computergestützte Visualisierung eines modernen, wissenschaftlich ausgestatteten Forschungsrestaurants.
Raumgestaltung und Atmosphäre:
Wissenschaftliche Ausstattung:

Zusatzmaterial zu den einzeln Kapiteln:
3-2: Telekom-Werbung – Bedeutung von Spiegelneuronen für emotionale Reaktionen
3-4: Messung impliziter Einstellung mittels implizitem Assoziationstest (IAT)
3-6: Subjektive Wahrnehmung: Sind zwei Tische identisch oder nicht?
3-7: Das Auge isst mit: Die optische Wahrnehmung beeinflusst unser Hungergefühl
3-8: Febreze: Bedeutung habitualisierter Entscheidungen für das Marketing
4-2: Operationalisierung und Messung der Umweltorientierung von EU-Bürgern
4-4: Berechnung des Stichprobenfehlers bei der Zufallsauswahl
4-5: Screening-Fragebogen zur Realisierung einer vorab definierten Stichprobe
4-6: Konzeption eines Gesprächsleitfadens für eine qualitative Befragung
4-7: Beobachtung des individuellen Essverhaltens im „Restaurant der Zukunft“
4-8: Produktpositionierung: Positionierung einer Smartphone-Marke im Wettbewerbsumfeld
7-1: Kindle Fire – Beeinflussung der Wahrnehmung des Nettonutzens durch Werbung
7-2: Ermittlung des optimalen Stromtarifs mittels Choice-Based-Conjointanalyse
7-4: Beeinflussung der wahrgenommenen Preisgünstigkeit durch Umbrella Pricing
7-7: Hohe Attraktivität privater Finanzierungs- und Leasingangebote für Autos
8-1: Produktpositionierung: Code-Analyse des Markenauftritts zweier Sektmarken
8-12: Werbewirkungsanalyse digitaler Kommunikationsinstrumente
8-3: Die Macht der Megatrends und die Zukunft von Sicherheit und Qualität
8-4: Erfolgreiche und nicht erfolgreiche Social-Media-Kampagnen
8-5: Guerilla-Kommunikation: Nutzung eines Neonazi-Aufmarsches für eine gute Sache
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