Home | 3-4: Messung impliziter Einstellung mittels implizitem Assoziationstest (IAT)
Marketing-Lehrbuch, Kapitel 3
Konsumentenverhalten → Psychische Prozesse → Aktivierende Prozesse → Einstellungen (Kapitel 3.4.1.4)
Der von Greenwald et al. (1998, S. 1464 ff.) entwickelte implizite Assoziationstest (IAT) beruht auf dem Prinzip des Primings („Bahnung“), wobei man zwischen semantischem und affektivem Priming unterscheiden muss (Wittenbrink, 2007, S. 25 ff.).
Semantisches Priming bedeutet, dass Individuen schneller auf ein Wort (z.B. „Kuh“) reagieren, wenn kurz zuvor ein Wort mit assoziativer Verbindung (z.B. „Milch“) genannt wurde. Im Vergleich dazu ist die Reaktionszeit länger, wenn sie vorher mit einem Wort ohne assoziative Verbindung konfrontiert wurden (z.B. „Flugzeug“). Erklärt wird dieses Phänomen durch die Aktivierung mittels der assoziativen Verbindung zwischen den beiden Wörtern „Kuh“ und „Milch“. Affektives Priming liegt analog dazu vor, wenn eine Person schneller reagiert, weil ihr vor dem zu bewertenden Stimulus (z.B. „Sonnencreme“ = positiv) ein Stimulus mit der gleichen Valenz (z.B. „Strand“ = positiv) präsentiert wurde. Die Reaktionszeit ist entsprechend länger, wenn der vorher präsentierte Stimulus eine andere Valenz aufweist (z.B. „Schmutz“ = negativ). Die Auswertung des IAT beruht auf der Annahme, dass unterschiedliche Reaktionszeiten bei der Zuordnung von Begriffen zu relevanten Einstellungsobjekten unterschiedliche Einstellungen repräsentieren (Lane et al., 2007).
Folgendes Beispiel verdeutlicht den idealtypischen Ablauf des IAT: Hierbei geht es um die Einstellung konservativer ostdeutscher Konsumenten gegenüber Produkten unterschiedlicher Herkunft. Die Ergebnisse des IAT liefern Reaktionszeiten, anhand derer sich die Annahme überprüfen lässt, dass die Probanden gegenüber Produkten aus Westdeutschland eine negativere Einstellung aufweisen als gegenüber Produkten aus Ostdeutschland.
Der Test besteht aus den folgenden fünf Phasen. Mittels Tastendruck (Taste „A“ und „L“) müssen die Testpersonen jeweils Reize kategorisieren, die entweder aus einem bestimmten Attribut bestehen (positive bzw. negative Begriffe) oder einem von zwei Zielkonzepten angehören, die sich nicht überlappen (Ostprodukt oder Westprodukt).





Die Auswertung erfolgt durch den Vergleich der Reaktionszeiten in der dritten Phase mit denen in der fünften Phase, da hier die Stimuli den Kombinationen aus Zielkonzepten und Attributen zugeordnet werden mussten. Dies bedeutet, dass sich in diesen beiden Phasen aufgrund des Primingeffektes einmal schnellere und einmal langsamere Reaktionszeiten ergeben müssen, je nachdem welche Kombination in welcher Phase den Assoziationen der Probanden eher entspricht (Felser, 2015, S. 258 ff.). Normalerweise reagieren Personen in derjenigen Phase schneller, die für sie eine kompatible Zuordnung aufweist, das heißt starke Assoziationen zwischen Attribut und Zielkonzept vereinfachen die richtige Zuordnung eines Stimulus erheblich. Die Inkompatibilität zwischen beiden Reizkategorien führt hingegen zu längeren Reaktionszeiten. Eine positivere Einstellung der Testpersonen gegenüber Ostprodukten würde sich folglich in der Differenz der Reaktionszeit zwischen der dritten Phase (kurze Reaktionszeit) und der fünften Phase (lange Reaktionszeit) bemerkbar machen. Der IAT-Effekt wird also als Maß der Stärke assoziativer Verknüpfungen zwischen den Zielkonzepten und den Attributsausprägungen interpretiert.

Zusatzmaterial zu den einzeln Kapiteln:
3-2: Telekom-Werbung – Bedeutung von Spiegelneuronen für emotionale Reaktionen
3-4: Messung impliziter Einstellung mittels implizitem Assoziationstest (IAT)
3-6: Subjektive Wahrnehmung: Sind zwei Tische identisch oder nicht?
3-7: Das Auge isst mit: Die optische Wahrnehmung beeinflusst unser Hungergefühl
3-8: Febreze: Bedeutung habitualisierter Entscheidungen für das Marketing
4-2: Operationalisierung und Messung der Umweltorientierung von EU-Bürgern
4-4: Berechnung des Stichprobenfehlers bei der Zufallsauswahl
4-5: Screening-Fragebogen zur Realisierung einer vorab definierten Stichprobe
4-6: Konzeption eines Gesprächsleitfadens für eine qualitative Befragung
4-7: Beobachtung des individuellen Essverhaltens im „Restaurant der Zukunft“
4-8: Produktpositionierung: Positionierung einer Smartphone-Marke im Wettbewerbsumfeld
7-1: Kindle Fire – Beeinflussung der Wahrnehmung des Nettonutzens durch Werbung
7-2: Ermittlung des optimalen Stromtarifs mittels Choice-Based-Conjointanalyse
7-4: Beeinflussung der wahrgenommenen Preisgünstigkeit durch Umbrella Pricing
7-7: Hohe Attraktivität privater Finanzierungs- und Leasingangebote für Autos
8-1: Produktpositionierung: Code-Analyse des Markenauftritts zweier Sektmarken
8-12: Werbewirkungsanalyse digitaler Kommunikationsinstrumente
8-3: Die Macht der Megatrends und die Zukunft von Sicherheit und Qualität
8-4: Erfolgreiche und nicht erfolgreiche Social-Media-Kampagnen
8-5: Guerilla-Kommunikation: Nutzung eines Neonazi-Aufmarsches für eine gute Sache
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