Zukunft des Abfalls in Nordthüringen

Nordhausen (FHPN) Wider Erwarten soll die zukünftige Abfallentsorgung nicht in der Region erfolgen. Mülltourismus nach Sachsen-Anhalt anstatt Wertschöpfung für unsere Region ist geplant. Damit würde auch ein Innovationspotenzial durch erprobte neue Verfahren bei der Abfallbehandlung auf der Strecke bleiben. Wie auch andernorts in Deutschland scheint hier eine kurzsichtige Denkweise gegenüber einer volkswirtschaftlichen Gesamtbetrachtung insbesondere unter dem Aspekt der Nachhaltigkeit zu obsiegen: Verbrennung anstatt selektiver intelligenter Behandlung.

Leider ist dies in Deutschland kein Einzelfall. In vielen Regionen läuft die Diskussion zur zukünftigen Abfallbehandlung seit vielen Jahren. Die nötige Suche nach zukünftigen Wegen der Abfallbehandlung führt vielerorts in eine konventionelle Sackgasse: die simple Verbrennung plus Ferntransport.

Während in der Vergangenheit nach kritischer Diskussion der offenen Deponierung zunächst die Verbrennung (heute oft verkauft als thermische "Verwertung") ins Spiel gebracht worden ist, kamen schließlich in den 90er Jahren weiterentwickelte und nachhaltige Alternativkonzepte auf den Tisch. Ein sehr bedeutendes darunter ist die mechanisch-biologische Abfallbehandlung. Gegenüber der Verbrennung von Abfällen ist dies die intelligentere und volkswirtschaftlich sinnvollere Lösung. Das Konzept würde den Standort Nentzelsrode mit Biogasanlage und zusätzlichen Investitionen von Arbeitsplätzen langfristig sichern. Ein Mülltourismus würde zudem entfallen. Da jeder Straßenbau subventioniert wird, ist ein eventuell kleiner Kostenvorteil einer Verbrennung ohnehin eine "Milchmädchenrechnung" und zudem nur eine Momentaufnahme, bedenkt man beispielsweise die zukünftigen Erhöhungen der Ökosteuer.

Mit der neuen Abfall-/Ablagerungsverordnung gibt es für diese innovative Verfahren auch eine Rechtsgrundlage. Der Studiengang Flächen- und Stoffrecycling hat sich mit dem Reststoffrecycling hohe wissenschaftliche Zielstellungen vorgegeben, die im Sinne der Zielstellung der Tätigkeit einer Fachhochschule auch in der Region umgesetzt werden sollen und können. Das entsprechende Umfeld zugehöriger Unternehmen steht dazu bereit.

Mit der gegenwärtig diskutierten Variante des Müllexports zur Verbrennung nach Sachsen-Anhalt würde auch der Fachhochschule die Möglichkeit genommen, vor Ort neue und innovative Verfahren zum Stoffrecycling zu entwickeln und zu optimieren und hier längerfristige Kompetenzen zu etablieren.

Pressemitteilung 75/2002